Beratung und Inspiration an erster Stelle: Interview mit Kisura

Verfasst am 30. Juli 2013 von .

Kisura LogoNachdem Startups wie Outfittery und Modomoto das (männerdominierte) Modell Curated Shopping bereits sehr erfolgreich etabliert haben, ist kürzlich mit Kisura der erste Personal-Shopping-Service nur für Frauen gestartet. Uns hat besonders interessiert, wie das Geschäftsmodell für die weibliche Zielgruppe angepasst wurde, die ja bekanntlich zu den letzten Rätseln im E-Commerce zählt. Wir haben mit Geschäftsführerin Tanja Bogumil über Curated Shopping und Gender Commerce gesprochen.

Steigen wir direkt ein: Wie alt ist die typische Kisura-Kundin und wie groß ist ihr Warenkorb?

Unsere typische Kundin ist zwischen 30 und 50 Jahre alt, sehr online-affin und hat zumeist ein ausgeprägtes Modebewusstsein. Der durchschnittliche Warenkorb liegt bei ca. 400 Euro für 4 Teile. Im Übrigen freuen wir uns nach bereits nach 3-monatigem Bestehen über wiederkehrende Kundinnen.

Was ist bei euren Kundinnen gefragter – das komplette Umstyling oder eher Beratung, ohne den Typ zu verändern? Geht es häufiger um konkrete Anlässe oder allgemeine Beratung?

Sowohl als auch. Etwa die Hälfte der Frauen wünscht sich einen neuen Look – entweder, weil sich ihr Geschmack oder ihre Figur verändert hat. Die andere Hälfte ist auf der Suche nach dem passenden Kleid oder Rock für den Alltag, aber auch zu einem bestimmten Anlass – wir haben schon Bräute für das Standesamt eingekleidet.

Im Moment umfasst euer Sortiment alles zwischen Preiseinstiegs- und Premiumsegment. Wird es langfristig gesehen eine Spezialisierung auf das eine oder das andere geben?

Wir orientieren uns bei der Gestaltung unseres Sortiments an den Vorlieben unserer Kundinnen. Zurzeit stellen wir fest, dass genau dieses breite Portfolio gefragt ist und wir damit eine Vielzahl an Kundenwünschen erfüllen können.

Kisura Stylistin

Eine Kisura-Stylistin bei der Arbeit

Bei Kisura legt ihr großen Wert darauf, euch intensiv mit der Kundin auszutauschen, bevor ihr das Paket auf den Weg schickt. Andere Curated Shopping-Anbieter passen ihre Empfehlungen ebenfalls dem Kunden an, allerdings nach dem Trial-and-Error-Prinzip – was nicht gefällt, geht zurück. Warum habt ihr euch anders entschieden?

Bei Kisura stehen Beratung und Inspiration an erster Stelle. Für uns ist es besonders wichtig, unsere Kundinnen persönlich kennenzulernen. Deshalb nehmen wir uns insbesondere für den Erstkontakt mit der Kundin, der in der Regel telefonisch stattfindet, besonders viel Zeit. Wir präsentieren der Kundin nach dem persönlichen Gespräch ihre Auswahl im virtuellen Showroom ihres Kundenkontos. Hier wählt sie dann die Produkte aus, die ihr nach Hause gesendet werden. Sollte die Auswahl einmal nicht ihren Geschmack treffen, nehmen unsere Stylisten immer ihr Feedback entgegen und bieten weitere Alternativen an. Letztlich trifft unsere Kundin die aktive Kaufentscheidung. Damit erreichen wir, dass nur die Produkte versendet werden, welche die Kundin auch tatsächlich haben möchte. Das führt zu einer niedrigen Retourenquote von unter 35 Prozent. Dieser Ansatz ist aus unserer Sicht sowohl nachhaltig als auch wirtschaftlich.

Im Unterschied zu anderen Curated Shopping Anbietern plant ihr, für die Beratung zusätzlich 49 Euro zu verlangen. Was unterscheidet euch von der Konkurrenz oder einem stationären Geschäft, wo die Beratung inbegriffen ist?

Gute Beratung ist heutzutage leider selten geworden. Sowohl im stationären als auch im Online-Geschäft haben wir an unserem eigenen Einkaufsverhalten festgestellt, dass man tendenziell eher selbst stöbert und teilweise sogar kauft, ohne sicher zu sein, ob einem die Sachen überhaupt stehen. Am Ende ist der Schrank voll – vieles hätte man sich allerdings sparen können. Genau das wollten wir mit Kisura ändern. Daher legen wir bei unserer Beratung und bei der Auswahl der Outfits sehr viel Wert auf Expertise. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sie von Bedeutung ist zu wissen, warum ausgerechnet dieses oder jenes Modell für sie ausgewählt wurde. So bekommt die Kundin nicht einfach Mode nach Hause geliefert, sondern sie erfährt auch, was ihre Beraterin sich für sie dabei gedacht hat und wie sie die Teile z.B. mit ihrem bestehenden Kleiderschrank richtig kombinieren kann. In dieser bestehenden Form ist der Beratungsservice zurzeit für Neu- und Bestandskundinnen kostenlos.

Wie findet ihr eure Mitarbeiter? Was muss eine Beraterin bei Kisura mitbringen?

Bisher haben wir unser Team fast ausschließlich über persönliche Empfehlungen aufgebaut. Bei der Auswahl unserer Stylisten achten wir auf die richtige Mischung aus Erfahrung und Leidenschaft. Unsere Beraterinnen haben im Durchschnitt vier Jahre Erfahrung in der Modebranche, wenn sie bei uns starten. Vorherige Stationen waren Marken wie More & More, Wolfgang Joop, Bogner, eigene Modelabels oder große Online Shops wie Bestsecret.

Das Kisura Gründerteam

Linh Nguyen und Tanja Bogumil, das Kisura-Gründerduo

Aktuell tobt die Diskussion um Geschlechterunterschiede auch im E-Commerce. Kritiker der Theorie, dass Frauen anders shoppen, sagen ja, dass auch Männer in ihrem Hobby die gleiche Begeisterung an den Tag legen, wie die typische Frau beim Schuhe kaufen. Wo steht ihr in der aktuellen Diskussion?

Wir möchten weder Männer als Einkaufsmuffel noch Frauen als Shopaholics bezeichnen. Für uns steht die Person mit all ihren individuellen Facetten, Wünschen und Bedürfnissen im Vordergrund. Wir besinnen uns auf das, was unser Meinung lange vernachlässigt wurde: das persönliche Kennenlernen der Kundin. Übrigens: es gibt auch Frauen, die dem vermeintlich männlichen Klischee entsprechen und ihre Zeit lieber anders verbringen möchten als mit ausgedehntem Shopping. Hier unterstützen wir gerne.

Was muss eurer Meinung nach mit Onlineshops passieren, um Frauen für Online-Shopping zu begeistern?

Wir sind der Überzeugung, dass es an der Zeit ist, die Kundin in den Mittelpunkt zu stellen und wirklich auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Hand aufs Herz – welche Frau, die auf der Suche nach dem einen perfekten Kleid ist – möchte sich denn online durch tausende Modelle klicken? Wir lernen unsere Kundin erst kennen und empfehlen ihr dann die für sie passenden Produkte.

In eurem Interview mit Gründerszene habe ich gelesen, dass ihr euch als Vogue 2.0 versteht. Bisher ist von diesem Anspruch wenig auf kisura.de zu sehen, der Blog hält sich noch im Newsroom versteckt. Auf was können sich eure Kunden in Zukunft freuen?

Das ist eher symbolisch zu verstehen. Renommierte Magazine wie die Vogue sind nicht einfach nur Hefte, sondern haben sich über Jahrzehnte zu einem Statement für die moderne, modebewusste Frau entwickelt. Wir verstehen uns hier an sinnvolle Ergänzung, Trends und Mode individuell zu selektieren und auf unsere Kundinnen abzustimmen. Darüber hinaus arbeiten wir bereits an einer verbesserten Online-Interaktion mit der Kundin. Auf dieses spannende Feature können sich unsere Kundinnen sich freuen.

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Kategorie: Fashion, Interviews


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