E-Commerce Innovation: Es geht jetzt erst richtig los

Verfasst am 12. März 2015 von .

Diffusion von Informationen

Grafik: dotSource GmbH

Ob man nun an das Hockeysticksszenario im E-Commerce glaubt oder es eher mit den Verbandszahlen hält – eines steht fest: Zumindest was die strategische Entwicklung und das Innovationspotenzial betrifft, geht es jetzt erst richtig los. E-Commerce ist noch immer eine junge Branche und ein relativ neues Geschäftsmodell. Der Anteil am gesamten B2C-Handelsvolumen macht erst ca. 10 Prozent aus. Überträgt man das auf das Konzept der kritischen Masse, stehen wir jetzt erst vor dem Durchbruch.

Das Kaufverhalten der Kunden ist noch nicht gefestigt und ihr Verhältnis zum Onlinehandel ist ständig im Wandel. Das ist anhand zahlreicher Beispiele auszumachen, von denen ich einmal fünf herausgegriffen habe. Jeweils mit einem typischen Zitat und aktuellen Zahlen, die eine andere Perspektive aufzeigen.

»Beratung funktioniert online nicht und wird ein Asset des stationären Handels bleiben.«

Fakt ist: E-Commerce holt bei der Beratungsqualität auf

Eine einstige Domäne des Fachhandels wandert online – Verbraucher fühlen sich online immer besser beraten. Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger besagt, dass 41 Prozent aller kaufentscheidungsrelevanten Informationen inzwischen aus digitalen Medien stammen, Routinekäufe ausgenommen.

Die Ursache dafür machen die Berater in der unaufhaltsam voranschreitenden Digitalisierung unseres Alltags aus: Über zwei Drittel der deutschen Internetnutzer sind täglich mehr als drei Stunden online. Ein Drittel aller Kommunikation läuft über digitale Kanäle statt persönlich. Das gilt privat wie beruflich. Auch für Großanschaffungen fällt die Kaufentscheidung inzwischen online.

Hinzu kommt die verstärkte Gewöhnung, auf Webcontent in allen Lebenslagen zuzugreifen. Auch daher könnte die positivere Wahrnehmung rühren.

Beratung steht damit nicht mehr als eine der letzten Alleinstellungsmerkmale des (stationären) Handels zur Verfügung. Auch Beratung wird digital.

»Kunden schätzen am Onlineshopping die Lieferung nach Hause.«

Fakt ist: »Click & Collect« wird zur Pflicht

Den Einkauf online zu reservieren und in der nächstgelegenen Filiale abzuholen wird immer beliebter: Jeder zweite Deutsche wünscht sich laut Zahlen der trbo GmbH diesen Service, denn damit ist der erfolgreiche Ausgang der Shoppingtour (fast) sicher und man spart Versandkosten.

Dass dies durch die Fahrtkosten im Grunde fragwürdig ist, interessiert dabei erstmal nicht. Und Händler freuen sich über weniger Retouren und den einen oder anderen Spontankauf, wenn der Kunde schon einmal da ist.

Waitrose Click & Collect

Foto: Waitrose Presse


Kein Wunder, dass im Moment der Run auf »Click & Collect« beginnt, so rollt aktuell alles was Rang und Namen hat entsprechende Services aus – von Alibaba über eBay bis hin zu Toys’R’Us.

»Digital Natives werden so gut wie alles online bestellen.«

Fakt ist: Auch Digital Natives kaufen stationär

Obwohl den »Digital Natives« der Kauf per Smartphone theoretisch in der DNA stecken müsste, möchten auch diese nicht ausschließlich online einkaufen. In einer landesweiten Befragung unter US-Teenagern stellte sich heraus, dass zwar 80 Prozent der Jugendlichen im Internet einkaufen. Bei der Frage, wo sie am liebsten shoppen, lagen jedoch klar die stationären Geschäfte vorne – bei 78 Prozent der Mädchen und 75 Prozent der Jungen.

Solche Befunde gibt es nicht nur in den USA: Bereits im September wurde in einer Studie von Research Now und K&A Research deutlich, dass Multichannel-Konzepte besonders gut bei Jugendlichen funktionieren. In dieser Altersgruppe sei der »ROPO-Effekt« besonders stark zu beobachten.

»E-Commerce ist für die Generation 65+ nicht interessant.«

Fakt ist: Das E-Commerce Potenzial der Silver-Surfer wächst

Der Handel ist auf der Suche nach neuen Wachstumstreibern. Und was wäre im Land mit der weltweit zweitältesten Bevölkerung naheliegender, als sich auf die Generation 60+ zu fokussieren? Dem stimmt auch Prof. Dr. Georg Rainer Hofmann, Leiter der eco Kompetenzgruppe E-Commerce zu: »Der Umsatz des Onlinehandels in Deutschland wird auch durch die kaufkräftigen Silver-Surfer weiterhin kräftig zunehmen«.

»Hersteller im B2B werden auch in den nächsten zehn Jahren noch auf ihre klassischen Vertriebswege zählen können.«

Fakt ist: Consumerization im B2B

Auch Hersteller und Markenartikler können sich nicht länger vor der digitalen Welt abschotten. Trends wie Consumerization, neue Wettbewerber wie Amazon Supply und Alibaba sind Realität, ebenso die Digital Natives, die jetzt auf den Arbeitsmarkt treten und künftig die Entscheidungen treffen. Sie werden klassische Kanäle noch weniger nutzen, ihre Produktsuche beginnt auch im Job bei Google. Dieser Generationenwechsel beschleunigt die ohnehin stattfindende Entwicklung noch weiter.

Auch im B2B-Geschäft tätige Menschen bestellen im Privatleben nicht per Fax, sondern nutzen selbstverständlich den komfortablen Einkauf über Onlineshops. Dieser Unterschied der Beschaffungsprozesse wird immer weniger als selbstverständlich hingenommen und ist als »Consumerization of B2B« in der Fachwelt bekannt.

Volvo Epic Split

Screenshot: Volvo Epic Split

Kunden und auch Mitarbeiter erwarten von der B2B-Beschaffung zunehmend eine ähnliche Qualität in Usability, Design, Suche und Performance, wie sie es von ihrem privaten Shopping gewohnt sind. SEO, Search- & Recommendation-Lösungen und Webtracking sollten daher keine Fremdwörter bleiben. Ganz nach dem Motto: Jeder Geschäftskunde ist auch ein Endkunde.

Da darf es auch mal ein witziger, aufmerksamkeitsstarker Werbespot statt klassischem B2B-Marketing sein.

Fazit: Nichts ist gesetzt, alles ist möglich und es wird sehr spannend, was uns morgen erwartet!

Handelskraft 2015

Handelskraft 2015Dieser Auszug zur Zukunft des (digitalen) Handels stammt aus unserem Trendbuch »Handelskraft 2015 – Digital ist besser«, das auf unserer Webseite kostenfrei heruntergeladen werden kann.

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