30 Jahre World Wide Web – Ein Grund zum Feiern!

Weltbild auf Binärcode Matrix Stil in Grün
Quelle: pixabay

1989 war ein Hammerjahr. Ein Jahr, das Geschichte schrieb. Fallende eiserne Vorhänge, bröckelnde Mauern und … noch etwas: Die Erfindung des World Wide Web. Wie genau heute, am 12. März vor 30 Jahren die Geschichte des Internets begann, möchten wir mit euch Revue passieren lassen.

World Wide Web: Hyperlinks als Antwort auf Datenchaos

Am 12. März 1989 veröffentlichte der britische Physiker Tim Berners-Lee ein epochemachendes Paper: »Information Management: A Proposal«. Das Dokument findet sich übrigens auch heute noch im Original im Netz. Berners-Lee forderte darin ein Umdenken: Statt wie viele Kollegen seiner Zeit über steigende Datenmassen zu debattieren, sollten Informatiker darüber nachdenken, wie man Informationsverluste vermeiden könne.

An Berners-Lees Arbeitsplatz – dem europäischen Kernforschungszentrum CERN – sei dies jedenfalls eher das Problem. Berners-Lee wusste, dass es für Wissenschaftler von enormer Bedeutung ist, Daten aus allen möglichen Experimenten kombinierbar zu machen, dass man niemals Daten voreilig löschen sollte, da sie mit neuen Fragestellungen vielleicht zu ganz neuen Einsichten führen konnten. Entsprechend schlug Berners-Lee mit seinem Proposal vor, die Daten auf ein Hypertext-System zu verteilen und mit Hyperlinks, also elektronischen Querverweisen, zu versehen.

So wurde der Fernzugriff auf Rechner und ihre Daten möglich und so wurden Kompatibilitätsprobleme vermieden, denn im CERN gab es sowohl Macs, als auch VAX oder Unix-Maschinen. Aber mit der Auffindbarkeit nicht genug: Es ging dem Physiker darum, Daten und Dokumente auch interaktiv bearbeiten und kommentieren zu können – so wie Wissenschaftler das eben untereinander tun. Einen solchen freien Informationsaustausch hielt er für wichtiger und wertvoller als die Frage, wem die Daten eigentlich gehören. Sein Credo:

» Suppose all the information stored on computers everywhere were linked. Suppose I could program my computer to create a space in which everything could be linked to everything.

World Wide Web: Plattformen damals

Damit war das freie, offene, neutrale, gestaltbare Internet geboren – das World Wide Web. Schnell schien es sich gegenüber der Idee durchzusetzen, mithilfe all der Computer geschlossene Plattformen zu bauen, wie es etwa große amerikanische Firmen, darunter AOL in den 1980er Jahren propagierten.

Deren Gedanke waren »walled gardens«: Plattformen, die wie Vorgärten hinter Zäunen nicht für alle erreichbar waren, sondern über deren Betretbarkeit man sich erstmal mit dem Besitzer verständigen musste. Und wenn man sie betrat, musste man nach den Regeln des Besitzers spielen. Wer diese Daten besaß, der hatte Macht.

Das freie World Wide Web ließ in den 1990er Jahren weit über das CERN hinaus ein Geflecht zwischen Maschinen und Akteuren, Computern und Daten, Wissen und Unterhaltung entstehen, die nach und nach alle Teile der realen Welt abbildete. Und um sich in diesem Geflecht zu orientieren, entstanden Suchmaschinen.

World Wide Web: Plattformen heute

Und heute, 30 Jahre danach? Ist »Plattform« das Keyword der Stunde, sind geschlossene Netzgesellschaften längst Alltag, bestimmen einige wenige große Firmen das Geschehen, hat Donald Trump die Netzneutralität in den USA per Dekret gekillt.

Facebook ist der wohl größte »walled garden« der virtuellen Welt, Amazon die bequemste und zugleich unprivateste Art, sich zu versorgen. Und Google, einst Teil der gemeinfreien Netzkultur, ist ein gigantischer Generator wertvoller Nutzerdaten, die letztlich einer Firma gehören, nicht der Allgemeinheit.

Ist Berners-Lees Idee also angesichts der Marktmacht von GAFA tot? Gibt es am heutigen 12.03. keinen Grund, zu feiern?

Oh doch! Denn der 12.03. erinnert uns Digital Natives an bestimmte Ideale: Das dezentrale WWW-Prinzip hat Menschen enger zusammenrücken lassen. Es hat Wissen auffindbar und verifizierbar gemacht. Es hat vieles entelitarisiert.

World Wide Web: Vom Proposal zum Bildungsauftrag

Als Digitalagentur stellen wir uns den Herausforderungen, die der digitale Wandel im Akkord mit sich bringt, machen aus Trends Innovationen. Um Unternehmen im DACH-Raum bei der Gestaltung ihrer digitalen Kundenbeziehungen zu unterstützen, kooperieren wir mit allen großen Software- und Cloud-Anbietern. Gleichzeitig stehen wir als inhabergeführte Firma für Unabhängigkeit: Wenn es sinnvoll ist, kombinieren wir bei Projekten schon mal Open Source mit Global Player. Und wir setzen uns mit der »Digital Business School« oder dem Sponsoring eines E-Commerce-Studiengangs dafür ein, nicht nur wichtiges Know-how, sondern auch den Mut zum Weiterdenken zu vermitteln.

Denn 30 Jahre nach Berners-Lees »Proposal« und der Geburt des WWW ist eines wohl der wichtigste Schlüssel für eine humane und vielfältige digitale Zukunft: Digitale Bildung.

Der 30. Geburtstag des WWW zeigt jedenfalls: Sich hinzustellen und die großen Konzerne zu dämonisieren, den Verfall des Internets zu beklagen, das bringt nichts. Aber eingezäunt nach Hausordnungen zu tanzen, das bringt genausowenig.

Und so lohnt es sich,auch 2019 den Ideen des WWW-Gründers zu lauschen und heute Abend mal den Feierlichkeiten zum 30. Geburtstags des World Wide Web zu folgen. Den Livestream aus dem Londoner Science Museum findet ihr hier:

World Wide Web und Digitale DNA

coverbild trendbuch handelskraft 2019: digitale dnaNoch mehr zur Geschichte des Digitalzeitalters findet ihr auch im aktuellen Trendbuch »Digitale DNA«, das hier exklusiv für Händler, Hersteller und Verlage zum kostenlosen Download bereitsteht.

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