Britische Regierung denkt über die Überwachung sozialer Netzwerke nach

Verfasst am 30. März 2009 von .

Aus „Big Brother” wird wohl sehr bald „Biggest Brother”, ein Superlativ, der alles andere als super ist. So tritt die britische Regierung ein Stück näher an die Gesellschaftsarchitektur heran, die uns George Orwell in seinem Roman “1984” erschreckend beschrieben hat. In zwei Tagen tritt in Großbritannien die Vorratsdatenspeicherung in Kraft, womit neben Telefondaten auch die Internetnutzung und die E-Mailkommunikation erfasst wird.

„Besorgniserregend” ist das falsche Wort dieser Entwicklung, es ist vielmehr erschreckend. Und obwohl man dem britischen Volk mit dieser Maßnahme schon zu viele Rechte aus der Hosentasche gefingert hat, scheinen einige Politiker im Innenministerium noch nicht genug zu haben. Erste Forderungen werden laut, soziale Netzwerke überwachen zu lassen. So stelle ich mir übrigens den fleischgewordenen Prototypen einer zukünftigen Gedankenpolizei vor, die Orwell beschrieben hat.

Mit den Möglichkeiten des 2.0s hat sich die Freiheit technisch auch im Netz verbreitet und wie so oft steht neben der Freiheit auch die Unfreiheit.

Terroristen und Kriminelle, die sich laut britischen Staatssekretärs des Innenministeriums via soziale Netzwerke organisieren, sind Zielgruppe dieses Unterfangens, aber: „es müsse zwischen den Anforderungen der nationalen Sicherheit und dem Schutz der Privatsphäre abgewogen werden.”

Was das konkret bedeutet, bedarf keiner Erklärung. Die Tendenz ist deutlich. Und für meine Begriffe wehren sich Betreiber sozialer Netzwerke ungenügend bis gar nicht gegen diese Entwicklung. Laut golem.de:

Nach den Plänen der britischen Innenpolitiker sollen die Betreiber der Plattformen erfassen, wer auf ihren Seiten mit wem kommuniziert. Es gehe allein um diese Verkehrsdaten, nicht aber die Inhalte der Kommunikation, so die Behörden.

Facebook reagiert mit „Zuviel des Guten”.

Das ist nicht zuviel des Guten, das ist absolut inakzeptabel. Man spricht von Terrorismusbekämpfung und wiegt diese gegen die Privatsphäre auf. Wenn alle davon sprechen, dass das Internet (und speziell soziale Netzwerke) mittlerweile zur alltäglichen Kommunikationsstruktur gehört, dann stelle ich doch berechtigt die Frage, wie lange es denn noch dauert, bis man auch Face-2-Face überwacht. Abgesehen von Telefonaten und den grusligen Überwachungskameras.

Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn eine Regierung Terrorismus mit Terror zu bekämpfen gedenkt.

Dann können wir auch bald George Orwell aus unserem Gedächtnis streichen:

Falls Freiheit überhaupt irgendetwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen…

Das hat die Gedankenpolizei in „1984” bekämpft. Und das scheint nun auch die britische Regierung anzupeilen. Diesen Schuh sollte sich unsere Bundesregierung nicht anziehen.

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2 Reaktionen zu “Britische Regierung denkt über die Überwachung sozialer Netzwerke nach”

  1. Martin Gross-Albenhausen

    Am 1. April 2009 um 09:53 Uhr

    Das entspricht im übrigen der Linie, die sich die EU-Kommissarin Kuneva für ganz Europa vorstellt. Man braucht also nicht auf die Briten zu schauen – da droht uns auch einiges an Ungemach.

  2. Christian Grötsch

    Am 2. April 2009 um 21:29 Uhr

    Danke für den Hinweis.

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