Künstliche Intelligenz – Auch jahrhundertealte Strukturen müssen sich beugen

Verfasst am 22. Februar 2017 von .

Grafik:The Verge

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Dass Künstliche Intelligenz mehr als nur ein Hype-Thema ist, lässt sich schwer von der Hand weisen. Vielen Unternehmen fehlen aber anscheinend die konkreten Anwendungsfälle, sei es in der Produktion, im Marketing oder im Vertrieb. Fehlendes Verständnis über die Tragweite Künstlicher Intelligenz ist daher oft der “Shopstopper” für diese Technologie. Aber auch die scheinbare Sicherheit, dass das eigene Unternehmen ohne diesen neumodischen Quatsch bestehen kann, wird in den nächsten Jahren für verdutzte Gesichter sorgen.
 
Aus diesem Grund lohnt sich einmal mehr der Blick über den Tellerrand hinaus. Die Argumentation “Klappt seit 100 Jahren, wird auch weitere 100 Jahre klappen” ist inhaltslos, schaut man sich Strukturen und Bereiche an, bei denen die Künstliche Intelligenz und die zunehmende Massenverarbeitung von Daten bereits einschneidende Änderungen hervorgebracht haben. Unternehmen, die sich auf dem analogen Erfolg ausruhen, sei daher die Digitalisierung von Schach und der Landwirtschaft nahegelegt.

In 72 Stunden zum International Master

Seit mehr als 500 Jahren gibt es das Schachspiel, wie wir es heute kennen. Wie bei jeder Sportart gab es auch hier Entwicklungen: Sei es die zunehmende Bedeutung der Bauern-Figur analog zur französischen Revolution oder der stetige Ausbau möglicher Eröffnungstheorien. Nichts hat aber den professionellen Schachsport so einscheidend verändert, wie die Rechenleistung von Computern. Denn plötzlich war es möglich innerhalb von Sekunden alle möglichen Stellungen präzise zu analysieren.

Dies gipfelte 1997 als der damalige Schachweltmeister, Gari Kasparow, unter regulären Turnierbedingungen gegen den von IBM entwickelten “Supercomputer” Deep Blue verlor. Mit Hilfe der Brutal-Force-Methode wertete der Computer alle möglichen Züge aus und entschied sich für den, der statistisch gesehen am “wertvollsten” war. Daher rührt auch die Kritik an Deep Blue, dem man fehlende menschliche Intuition vorwarf.

Der Digitalisierung des Schachspiels tat dies aber keinen Abbruch und ein erst kürzlich geführtes Interview mit Viswanathan Anand zeigt, wie wichtig Computeranalysen im Schachsport geworden sind. So nutzten Anand und sein Team 2008 Computeranalysen als “Geheimwaffe” im Kampf um die Weltmeisterschaft gegen Vladimiar Kramnik:

“Earlier, even if you have prepared the same position as your opponent just before the game, there was no certainty that both the preparations would be the same and both the players would have arrived at the same conclusions – that depended on the accuracy of preparation. However, now you just need to give your computer enough time to work the position out completely and give you the same conclusions that your opponent would have, too!”

Die Brutal-Force-Methode entzauberte das Schachspiel daher ein wenig und zeigt, welchen Einfluss Künstliche Intelligenz auf so alte Strukturen haben kann. Die Weiterentwicklung dieser Methode stellt das Programm “Giraffe” von Matthew Lai dar. Diese Künstliche Intelligenz verfährt nach einem anderen Ansatz: Innerhalb von 72 Stunden wurde Giraffe mit über 175 Millionen Zügen gefüttert. Anders als Deep Blue ist Giraffe bei der Analyse von Schachstellungen intuitiver, da es sich auf die gelernten “menschlichen” und den eigenen Züge bezieht: Machine Learning at its best.

[…] And finally it considers what moves each of its pieces can make. Based on the millions of moves it’s learned in the past (and whether they’ve had a positive, negative or neutral outcome), Giraffe will then make its move. With every new move, each new game, Giraffe learns a bit more and gets a bit better. Like humans do.

Der automatisierte Farmroboter

Noch (viel) älter als das Schachspiel, ist die Landwirtschaft. Seit der neolithischen Revolution bei der Abschied vom Jäger und Sammler genommen wurde, entwickelte sich die Landwirtschaft stetig weiter. Ziel ist die Optimierung des Ertrags und der gleichzeitig ökologische Ackerbau. So zum Beispiel der “Lettuce-thinning robot” von BlueRiver Technology, der anhand von Bildern erkennt, welche Pflanzen gedüngt werden sollen und welche nicht. Dabei wird beispielsweise ausgewertet, ob zwei Pflanzen zu dich aneinander wachsen oder ob die Pflanze bereits eingegangen ist.

Noch futuristischer ist der Farmroboter “Prospero”. Mehrere dieser Roboter sollen über ein Schwarmdenken nicht nur Samen säen und sie düngen, sondern auch ernten. Prospero ist bereits seit mehreren Jahren in der Entwicklung und vom Aussehen her könnte man meinen, dass er demnächst auf den Mars geschickt wird, um Bodenproben zu sammeln.

Hinter all diesen Robotern steckt natürlich auch eine Künstliche Intelligenz. Neben der Landwirtschaft hätte man natürlich auch Teile der produzierenden Wirtschaft betrachten können. Selbst Lagerhäuser sind teilweise hochautomatisiert und werden von “intelligenten” Robotern verwaltet.

Warum dann nicht der Handel?

Und so stellt sich die Frage, wieso sich so viele große Unternehmen, deren Hauptgeschäft der Handel mit Waren ist, so gegen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz stellen. Auch der Handel ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern lebt von der Weiterentwicklung. Der Onlinehandel ist dabei nur die erste Stufe der Digitalisierung gewesen. Künstliche Intelligenz ist nur die logische Schlussfolgerung, die all die über die Jahre gesammelten Daten zu etwas Brauchbarem umsetzt.

Intelligente Maschinen haben zudem die letzten – ja fast – 70 Jahre eine atemberaubende Entwicklung durchgemacht: Vom Turing-Test und dessen Widerlegung durch das “chinesische Zimmer” bis hin zu Schachgroßmeister schlagenden Supercomputern. Es scheint nichts mehr zu geben, bei denen die Künstliche Intelligenz nicht die menschlichen Grenzen sprengt und eben einen Schritt weitermacht.

Die schrittweise Einführung in den Alltag hat somit begonnen und ist wohl auch nicht mehr aufzuhalten. Während man bei der Augmented-/Virtual-Reality noch Vermutungen anstellt, ist die Künstliche Intelligenz schon jetzt eine “Ich hab’s euch ja gesagt”-Technologie!

Alles bleibt anders

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