Amazon launcht Eigenmarke für B2B-Kunden [5 Lesetipps]

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Amazon will mehr als der bevorzugte Zwischenhändler sein und seine Dominanz im Onlinehandel weiter ausbauen. Die vorteilhafte Position in den Suchergebnissen sowie die große Menge an Informationen über das Verbraucherverhalten, performante Kategorien und Produkte ermöglichen es dem Tech-Riesen, allein neue Horizonte zu erschließen. So ist Amazon vor kurzem in die spannende Welt der Eigenmarken eingetaucht.

Laut TJI Research hat Amazon mittlerweile 141 Eigenmarken – die bekannteste davon: AmazonBasics. Und jetzt ist der Onlineriese aus Seattle dabei, eine neue Eigenmarke zu launchen, die sich an Geschäftskunden richtet: AmazonCommercial.

Hat sich die Strategie von Amazon mit diesem Schritt geändert? Worum geht es bei dieser neuen Marke? Sollten sich Händler, Hersteller und Marken Sorgen über diese Tendenz machen, oder eröffnen sich dadurch gar neue Möglichkeiten? In unserem heutigen Artikel gehen wir auf diese Fragen ein.

AmazonCommercial: Das Eigenmarken-Spektrum erweitert sich auf B2B

Amazon hat eine Eigenmarke für fast alle wichtigen Kategorien wie Elektronik, Bekleidung und sogar Möbel eingeführt. Und diese Menge wächst weiter. Einer Studie von Scrapehero zufolge umfasste das Eigenmarkenangebot von Amazon im Juni 2019 7.217 Produkte. Das ist eine Steigerung der Produkte um 5 Prozent seit September 2018.

Die Strategie hier ist klar: Amazon bietet die niedrigsten Preise für Qualitätsprodukte und drängt kleinere Händler, die nur ein oder zwei Angebote haben, vom Markt. Tatsache ist, dass 86 Prozent der Eigenmarkenprodukte von Amazon für unter 50 US-Dollar erhältlich sind.

Bisher lag der Fokus exklusiv auf Konsumgütern. Neben AmazonBasics sind andere Marken wie Mama Bear, die Windeln verkauft oder Solimo, die Hundefutter anbietet, entstanden. Der Marktplatz will die Strategie, Qualitätsprodukte zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten, auch auf den B2B-Markt ausweiten, insbesondere auf diejenigen Segmente mit dem größten Potential.

AmazonCommercial erschien im Juni quasi unbemerkt auf Amazon.com und bietet derzeit nur eine handvoll Produkte, darunter extra große Toilettenpapierrollen, große Stapel von Papierhandtüchern und Kisten mit Taschentüchern, die man beispielsweise in Bürobädern findet.

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Screenshot: AmazonCommercial

»Die neue Eigenmarke ist eine Reihe von professionellen Produkten, die für Geschäftskunden entwickelt haben«, sagte eine Amazon-Sprecherin gegenüber des Fachmagazins AdAge.

Die neuen Amazon-Produkte werden direkt mit Kimberly-Clark und anderen Marken konkurrieren. Doch sind Eigenmarken eine echte Bedrohung? Es kommt darauf an.

Amazons Vorteil sind Daten

Klassische Supermärkte haben für preissensible Kunden seit jeher Hausmarken im Portfolio. Nicht nur Amazon, sondern auch andere Online-Plattformen wie Zalando und ASOS haben eigene Marken entwickelt, um ihren Kundenstamm in dieser Hinsicht zu erweitern.

Marktplätze können sich enorm Vorteile verschaffen. Denn sie kontrollieren nicht nur den Zugriff auf Kunden, sondern auch auf die Daten. Sie wissen, welche Produkte am meisten verkauft werden und welche Kategorien angesagt sind. Mit so aussagekräftigen Informationen können sie strategische Entscheidungen zu ihrem eigenen Nutzen treffen. Nämlich bestimmte Produkte, die sehr gut performen, selbst zu machen. Dazu merkte Amazons associate general counsel Nate Sutton an:

» We do offer private brands on occasion because we think it offers high-value and low-cost items for customers and because customers demand that. «

Angesichts der Monopolstellung, die Amazon innehat, liegt eine Frage jedoch nahe: Wie fair agiert der Marktplatz dabei? Im Kampf um die Aufmerksamkeit der Kunden scheint jedes Mittel recht. So wurde im Februar bekannt, dass Amazon seine Eigenmarken direkt nach bezahlten Anzeigen anderer Firmen prominent platziert – mit deutlich günstigeren Preisen. Fahrradtaschenhersteller Ortlieb klagte bereits gegen Amazon wegen einer ähnlichen Praxis – und: gewann. Ein Sieg, der zum Präzedenzfall werden könnte.

Laut AdAge sind Werbeanzeigen für AmazonCommercial-Produkte auch auf den Produktseiten von Konkurrenten wie Scott und Kleenex platziert. In den Anzeigen steht: »Tolle Qualität, besserer Preis.«

Amazons Strategie baut auf Exklusivität

Im Gegensatz zu dem, was man vielleicht denkt, und trotz der großen Anzahl von Eigenmarken, die Amazon in verschiedenen Segmenten veröffentlicht hat, gibt es nur wenige, die profitabel und bekannt sind. Selbst machen kann eine schwere Sache sein.

Nur die Marken, mit dem Vornamen: Amazon, wie AmazonBasics, AmazonEssentials oder AmazonElements heben wirklich ab. Die anderen gehen im Meer der bestehenden Marken verloren. Ganz davon abgesehen, dass die eigenständige Entwicklung von Produkten auch zu kostspielig und zeitaufwendig sein kann.

So ist es nicht verwunderlich, dass Amazon eine Parallelstrategie entwickelt, die sich stärker auf Exklusivität und Outsourcing konzentriert, um noch niedriger Preise und eine breitere Auswahl anzubieten.

Amazon drängt Markenhersteller wie Equal oder GNC, exklusive Produktlinien für sich zu entwickeln – was zu Kontroversen führen kann. Im Austausch wird die Marke natürlich dafür belohnt und beispielsweise bei den Suchergebnissen weiter oben gelistet. Eine Win-Win-Situation für alle also.

Sind Marktplätze also der einzige Weg für weiteres Wachstum? Sollten Hersteller und Marken mitgehen oder gibt es noch Chancen außerhalb dieses Monopols? Auf der B2B Digital Masters Convention am 6. und 7. November werden diese und anderen Trendthemen für B2B-Entscheider diskutiert werden. Sichere dir jetzt dein Ticket und mache dein B2B-Digital-Business mit innovativen Ideen noch erfolgreicher.

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