Fonts-Marketing – Markenimage und Customer-Engagement: Alles eine Frage der Schriftart?

Fonts-Marketing Ikea Soffa Sans
Quelle: dotSource
Zugegeben, das Wort haben wir jetzt einfach mal erfunden: Graphic Commerce. Weil es einen Teil des Digital Business – Grafikdesign oder UX-Design mit einem Wort verbindet, das – siehe Social Commerce oder Mobile Commerce – sich immer gut macht, um einen Trend zu benennen. Geht es darum, die Customer Journey der Kunden so modern und angenehm wie möglich zu gestalten und sie nicht zuletzt durch kreative Ideen enger an die eigene Marke zu binden, kann es jedenfalls nie genug Inspiration und Trends geben.

Und so wollen wir heute einer Marketing-Strategie nachspüren, die eng mit dem täglichen Tun von Grafikdesignern zusammenhängt: Wir wollen herausfinden, wie man mit Schriftarten positive Aufmerksamkeit auf ein Unternehmen zieht.

Fonts-Marketing: Sans Serif für einen modernen Ausdruck

Wir alle benutzen Schriftarten – für unsere Blogbeiträge, für Anschreiben, für Plakate, für Sprechblasen in Fotos, die wir über Social Media teilen. Manch ein Font, wie das Fachwort für Schriftart lautet, ist teuer, andere wiederum sind lizenzfrei zu haben.

Eine wichtige Gruppe unter den Schriftarten ist »Sans Serif« – das sind sehr gerade Schriften ohne Schnörkel, wie zum Beispiel der Klassiker Arial. Oder eine Schriftart des deutschen Malers und Typografen Paul Renner, der ein Zeitgenosse des Bauhauses war und an der Frankfurter Kunsthochschule lehrte. 1927 stellte er eine Schriftart vor, die bis heute zeitlos modern wirkt und nicht zuletzt durch Wes Anderson-Filme wieder enorm populär geworden ist: Futura.

Die Liste der berühmten Sans-Serifen-Fonts ist aber noch viel viel länger, man denke nur an die legendären Schriftarten des Schweizer Typographen Adrian Frutiger oder die große Helvetica-Familie! 1983 entwickelt, scheint Helvetica heute wieder die Schriftart der Stunde.

Fonts-Marketing: Serif als Sinnbild des Klassischen

Da »sans« französisch für »ohne« ist, gibt es natürlich auch Schriftarten ohne »sans«: Serifenlose Fonts blicken auf eine etwa 200-Jährige Geschichte zurück, Serifenschriftarten gibt es hingegen seit mehr als 2000 Jahren. Die kleinen, charakteristischen Abschlussstriche an den Buchstaben erinnern stilistisch an das, was die Römer so in Stein meißelten.

Serifenschriftarten haben sich seit Erfindung des Buchdrucks bewährt für viel Text – so etwa werden bis heute Zeitungen in Serifen-Fonts gedruckt. DIE ZEIT aus Hamburg setzt in der gedruckten Wochenzeitung zum Beispiel auf die tintensparende Garamond. Die weltweit extrem verbreitete Schriftart Times New Roman, in der wir alle unsere ersten Hausarbeiten und Bewerbungsschreiben verfasst haben, wurde sogar einst eigens für eine Zeitung entworfen – 1932 für die Londoner Times.

Fonts-Marketing: Adobe sorgt für die besondere Bauhaus-Experience

Schriftarten sind ein Universum an Stil. Mit der Wahl einer Schriftart für das Logo einer Marke sendet man am Anfang einer Customer Journey fast eindeutigere Botschaften, als mit dem Namen des Unternehmens selbst – etwas zugespitzt in einen Slogan gepackt bedeutet das: Fonts first!

Im Zeitalter der Digitalisierung ist es leichter geworden, Schriftarten zu entwickeln. Programme wie der Adobe Illustrator helfen dabei. So etwa könnte mit etwas Know-how und ausreichend Schriftproben praktisch jeder seine Handschrift digitalisieren, vektorisieren und zu einer tippbaren Schriftart umwandeln.

Adobe, der wohl weltweit einflussreichste Softwarehersteller für Graphic Design Tools und einer der vier großen Digital-Experience-Plattform-Anbieter, hat längst erkannt, dass man positive Markenbindung und exzellentes Customer Engagement auch über Schriftarten erzeugen kann. Klar, Paul Renner und seine Schriftart Futura ist die Ikone unter den Typographen und Typographien der Klassischen Moderne. Aber anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums hat Adobe ein Projekt gestemmt, in dem original Font-Entwürfe von Bauhaus-Künstlern restauriert, digitalisiert und zum Download bereitgestellt wurden. Solch ein Engagement freut nicht nur Design-Affine.

Fonts-Marketing: Für IKEA sind Fonts Fun

Mit dieser kreativen Graphic-Commerce- bzw. Fonts-Marketing-Strategie ist Adobe unter den Enterprises nicht allein. Auch IKEA sorgte in Großbritannien jüngst für Aufmerksamkeit mit einer eigens kreierten Schriftart: Soffa Sans. Die weltweit »bequemste« Schriftart generiert sich aus Sofas einer bestimmten Serie, die Kunden modular im Sofa-Konfigurator zusammenstellen können.

Daraus mithilfe einer Agentur eine Schriftart zu entwickeln, die sich Ikea-Fans herunterladen können, sorgte weniger durch die Schriftart an sich als denn durch die versprühte gute Laune für einen Marketing-Coup, der schnell über die Insel hinaus Wirkung zeigte. Denn durch diese Markenbindung der besonderen Art griff Ikea nicht zuletzt ein Social-Media-Phänomen auf: Britische Nutzer stellten sich mit dem Konfigurator immer seltener Sofas zusammen, die sie dann tatsächlich orderten. Sondern das Tool erfreute sich großer Beliebtheit, um Icons zu designen und zu teilen. Frei nach dem Motto: Ein Fußhocker, ein Pixel.

Fonts-Marketing: Eine Frage des Designs

Fonts-Marketing und User-Experience-DesignWir sind jedenfalls gespannt, was für coole Marketing-Momente uns der Trend Graphic Commerce noch beschert! Unterdessen empfehlen wir die Lektüre unseres Whitepapers zu »User-Experience-Design«. Darin erfahrt ihr, warum der sogenannte »Menschzentrierte Gestaltungsprozess« nicht Magie, sondern teils harte, in jedem Falle aber planvolle und lohnenswerte Arbeit ist. Das Whitepaper kann hier zum kostenlosen Download angefordert werden.

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