Composable Commerce: Euer Guide für die passende Architektur und Anbieterauswahl

Eine Frau zeigt zwei Touristen eine Innenstadt. Sie zeigt mit ausgestrecktem Arm auf eine belebte Gasse. Sie ist der Guide für Compsable Commerce.
Dieser Guide zeigt, worauf es bei Composable Commerce ankommt und wann sich der Ansatz für Unternehmen lohnt. | Quelle: dotSource SE

Composable Commerce gilt seit Jahren als Ansatz für flexible und zukunftsfähige Commerce-Architekturen. Was zunächst vor allem als Gegenentwurf zu monolithischen Plattformen diskutiert wurde, ist inzwischen stärker in der Praxis angekommen. Headless, API-first und modulare Systemarchitekturen finden im Business-Alltag immer mehr Anwendung. Gleichzeitig bedeutet das aber nicht, dass ihr eure Commerce-Landschaft aus möglichst vielen Einzellösungen zusammensetzen solltet.

Denn Composable Commerce bringt Flexibilität – aber auch zusätzliche Komplexität. Je nach Geschäftsmodell und Anforderungen kann eine modulare Architektur deshalb sinnvoll sein oder unnötigen Aufwand verursachen.

Was ist Composable Commerce?

Composable Commerce beschreibt einen Ansatz, bei dem eine Commerce-Plattform nicht als ein geschlossenes Gesamtsystem betrachtet wird. Stattdessen besteht die Architektur aus einzelnen, miteinander verbundenen Komponenten. Jede dieser Komponenten übernimmt eine bestimmte Aufgabe und ihr könnt sie unabhängig von den anderen einsetzen und weiterentwickeln.

An die Stelle einer Plattform, die möglichst viele Funktionen aus einer Hand bereitstellt, tritt damit ein modularer Aufbau. Eine Commerce Engine kann beispielsweise mit einem spezialisierten Product Information Management (PIM), einem separaten Content-Management-System, einer Search-Lösung, einem Payment Service oder einem Order Management System kombiniert werden.

Die einzelnen Komponenten kommunizieren dabei über Schnittstellen miteinander. APIs bilden die technische Grundlage dafür, dass verschiedene Systeme zu einer gemeinsamen Commerce-Architektur verbunden werden können.

Ihr könnt das Prinzip mit einem Baukastensystem vergleichen: Ihr stellt eure Commerce-Landschaft nur aus den Komponenten zusammen, die ihr für euer Geschäftsmodell und eure Anforderungen benötigt. Verändert sich eine Anforderung, müsst ihr nicht zwangsläufig die gesamte Plattform austauschen. Stattdessen ersetzt oder ergänzt ihr die betreffende Komponente.

Das unterscheidet Composable Commerce grundsätzlich von klassischen monolithischen Plattformen. Dort sind viele Funktionen eng miteinander verbunden und werden als Teil eines gemeinsamen Systems bereitgestellt. Änderungen an einem Bereich können dadurch stärker von anderen Teilen der Plattform abhängig sein.

Composable Commerce bedeutet allerdings nicht, dass ihr möglichst viele einzelne Systeme einsetzen solltet. Die Modularität ist kein Selbstzweck. Sie soll dort Vorteile schaffen, wo Flexibilität und Unabhängigkeit euch einen konkreten geschäftlichen Mehrwert verschafft.

Composable Commerce, Headless, Best-of-Breed und Microservices: Worin liegen die Unterschiede?

Begegnen euch rund um Composable Commerce im Alltag auch zahlreiche Begriffe, die häufig ähnlich verwendet werden? Es gibt feine, aber wichtige Unterschiede. Headless, Best-of-Breed, Microservices, API-first und MACH beschreiben jeweils unterschiedliche Aspekte einer modernen Commerce-Architektur.

Composable Commerce vs. Headless

Headless Commerce beschreibt zunächst die Trennung von Frontend und Backend. Die Präsentationsschicht ist dabei unabhängig von den Commerce-Funktionen im Backend und kann über APIs auf deren Daten und Funktionen zugreifen.

Das schafft mehr Freiheit bei der Gestaltung digitaler Touchpoints. Damit könnt ihr beispielsweise verschiedene Frontends für Webshop, App oder weitere Kanäle entwickeln, ohne die zugrunde liegende Commerce-Logik jeweils neu aufzubauen.

Mit Headless allein macht ihr eure Architektur jedoch noch nicht Composable. Auch ein Headless-System kann aus einer relativ geschlossenen Plattform bestehen. Mit Composable Commerce geht ihr einen Schritt weiter und betrachtet die gesamte Commerce-Landschaft als Zusammenspiel verschiedener, austauschbarer Komponenten.

Composable Commerce vs. Best-of-Breed

Best-of-Breed bezeichnet die Strategie, für einzelne Aufgaben jeweils spezialisierte Lösungen einzusetzen. Statt alle Funktionen eines Anbieters zu nutzen, wählt ihr beispielsweise ein spezialisiertes PIM, ein eigenes CMS oder eine besonders leistungsfähige Search-Lösung.

Das passt zum Composable-Ansatz, ist aber nicht dasselbe. Best-of-Breed beschreibt vor allem die Auswahl der Systeme. Composable Commerce beschreibt darüber hinaus, wie diese Komponenten zu einer flexiblen Gesamtarchitektur zusammengesetzt werden.

Composable Commerce vs. Microservices

Microservices sind ein technisches Architekturprinzip. Dabei teilt ihr eine Anwendung in kleinere, voneinander möglichst unabhängige Services auf, die jeweils eine bestimmte Funktion übernehmen.

Composable-Commerce-Architekturen können auf Microservices basieren. Composable Commerce ist jedoch nicht mit einer Microservices-Architektur gleichzusetzen. Der Begriff beschreibt vielmehr die übergeordnete Idee, Commerce-Funktionen flexibel zu kombinieren und einzelne Bestandteile unabhängig voneinander weiterzuentwickeln.

Und was bedeutet API-first?

APIs, also Programmierschnittstellen, ermöglichen die Kommunikation zwischen den einzelnen Komponenten. Ein API-first-Ansatz bedeutet, dass ihr diese Schnittstellen von Beginn an als zentralen Bestandteil eure Systemarchitektur denkt.

Die Begriffe beschreiben also unterschiedliche Ebenen:

Headless, Best-of-Breed, Microservices und API-first beschreiben jeweils unterschiedliche technische oder strategische Aspekte einer Commerce-Architektur. Composable Commerce verbindet diese Bausteine zu einem flexiblen Architekturansatz – welche davon ihr braucht, hängt von euren konkreten Anforderungen ab.

Welche Vorteile bietet Composable Commerce?

Der modulare Aufbau hilft euch vor allem dabei, eure Commerce-Architektur besser an eure individuellen Anforderungen anzupassen.
Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick:

  • Mehr Flexibilität: Ihr könnt einzelne Komponenten gezielt austauschen, ohne gleich eure gesamte Commerce-Plattform zu ersetzen. Wenn sich zum Beispiel eure Anforderungen an Suche, Content oder Checkout ändern, passt ihr genau diesen Bereich an.
  • Weniger Abhängigkeit von einzelnen Anbietern: Ihr entscheidet selbst, welche Lösungen ihr einsetzt und wann ihr sie ersetzt. So könnt ihr neue Technologien oder spezialisierte Tools dann integrieren, wenn sie euch wirklich Mehrwert bringen.
  • Bessere Skalierbarkeit: Eure Architektur kann mit eurem Unternehmen mitwachsen. Neue Märkte, Vertriebskanäle oder Geschäftsmodelle lassen sich ergänzen, ohne dass ihr alles neu aufbauen müsst.
  • Gezieltere Weiterentwicklung: Ihr erweitert Funktionen dort, wo ihr sie braucht, und ersetzt einzelne Bausteine, ohne andere Bereiche unnötig zu verändern. Das kann Entwicklungsprozesse deutlich effizienter machen – vorausgesetzt, eure Architektur ist sauber geplant.
  • Passgenaue Lösungen für einzelne Anforderungen: Ihr kombiniert die Systeme, die am besten zu eurem Setup passen – zum Beispiel Commerce-Plattform, PIM, Search und CMS. So müsst ihr euch nicht nach dem Funktionsumfang einer einzigen Suite richten.
  • Gute Voraussetzungen für KI- und agentenbasierte Funktionen: Modulare und API-basierte Architekturen erleichtern es euch, neue KI- und agentenbasierte Funktionen schrittweise in eure Commerce-Landschaft zu integrieren. Das macht Composable Commerce mit Blick auf zukünftige Anforderungen besonders relevant.

Für wen eignet sich Composable Commerce?

Die Vorteile von Composable Commerce kommen vor allem dann zum Tragen, wenn die Anforderungen an die Commerce-Landschaft sehr komplex sind. Aber: Eine modulare Architektur ist nicht für jedes Unternehmen automatisch die beste Wahl.

Besonders interessant für große und komplexe Unternehmen

Composable Commerce kann sich für euer Unternehmen eignen, wenn ihr mit einer hohen Zahl an Märkten, Marken, Produkten oder Vertriebskanälen arbeitet. Auch komplexe Geschäftsmodelle und individuelle Commerce-Prozesse können für eine modulare Architektur sprechen.

Ein weiterer Faktor ist die technologische Entwicklung. Wenn ihr eure Systemlandschaft regelmäßig an neue Anforderungen anpassen und einzelne Komponenten unabhängig voneinander weiterentwickeln müsst, könnt ihr von der Flexibilität profitieren, die das Konzept mit sich bringt.

Typische Anwendungsfälle sind beispielsweise:

  • internationale Commerce-Strukturen mit unterschiedlichen Marktanforderungen
  • mehrere Marken oder Geschäftsmodelle
  • komplexe Produkt- und Katalogstrukturen
  • zahlreiche digitale Touchpoints
  • hohe Anforderungen an Skalierbarkeit und Integration
  • bestehende Systemlandschaften, die schrittweise weiterentwickelt werden sollen

Wann eine integrierte Plattform die bessere Wahl sein kann

Mehr Flexibilität bedeutet gleichzeitig auch mehr Verantwortung. Während bei einer Suite viele Funktionen aus einer Hand kommen, müsst ihr bei Composable Commerce selbst dafür sorgen, dass die einzelnen Komponenten zusammenspielen.

Das kann zusätzlichen Aufwand verursachen: mehr Schnittstellen, mehr Anbieter, mehr Integrationen und mehr Abstimmungsbedarf. Auch Betrieb, Monitoring und Governance werden mit zunehmender Anzahl an Komponenten komplexer.

Zählt euer Unternehmen zu den kleineren oder mittleren Unternehmen? In diesem Fall kann eine integrierte Commerce-Plattform die sinnvollere Lösung sein. Wenn sich eure Anforderungen mit einer Suite wie Shopify Plus oder Shopware abdecken lassen, bietet deren stärker integrierter Ansatz unter Umständen den größeren Vorteil: weniger Systeme, weniger Integrationsaufwand und ein überschaubareres Setup.

Merke: Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Composable Commerce grundsätzlich besser ist als eine Suite. Entscheidend ist, ob die zusätzliche Flexibilität den zusätzlichen Aufwand für euer Unternehmen rechtfertigt.

Composable-Commerce-Anbieter im Überblick

Der Markt für Composable Commerce ist vielfältig. Dabei verfolgen Anbieter unterschiedliche Ansätze: Einige konzentrieren sich auf eine flexible Commerce Engine, andere bieten größere Plattform-Ökosysteme oder kombinieren Commerce mit weiteren Funktionen.

Für die Auswahl eines passenden Anbieters solltet ihr deshalb nicht allein darauf achten, ob eine Lösung als »Composable « bezeichnet wird. Entscheidend sind unter anderem die benötigte Funktionalität, Integrationsmöglichkeiten, Skalierbarkeit, vorhandene Systemlandschaft und die Anforderungen an Betrieb und Weiterentwicklung.

Salesforce: Composable im Salesforce-Ökosystem

Salesforce verbindet Commerce eng mit seinem eigenen Ökosystem aus CRM, Marketing, Service und Kundendaten. Gleichzeitig lässt sich die Commerce-Plattform über APIs und entkoppelte Storefronts flexibel erweitern. Mit der Composable Storefront bietet euch Salesforce ein Headless-Frontend, das ihr unabhängig vom Backend entwickeln und anpassen könnt. Damit setzt ihr Salesforce Commerce sowohl als umfassende Plattform als auch als Baustein einer stärker modularen Architektur ein.

Interessant könnte Salesforce für euch vor allem dann sein, wenn ihr bereits stark im Salesforce-Ökosystem arbeitet und Commerce eng mit euren Kunden- und Geschäftsprozessen verbinden möchtet. Composable bedeutet hier weniger, die Plattform vollständig in einzelne Services aufzulösen. Stattdessen schafft ihr gezielt dort Modularität, wo sie euch echten Mehrwert bringt. Mit Agentforce Commerce erweitert Salesforce das Angebot zudem um KI-gestützte Funktionen für Einkauf, Merchandising und weitere Commerce-Prozesse.

Ein Praxisbeispiel dafür liefert BOGNER: Das Unternehmen nutzt Salesforce B2C Commerce Cloud als Basis für seinen B2C-Onlineshop. Der bestehende Shop wurde gezielt weiterentwickelt. Performance- und Conversion-Rate-Audits bildeten die Grundlage für priorisierte Optimierungen, darunter ein überarbeitetes Navigationskonzept für BOGNER und FIRE+ICE. Für die internationale Expansion wurde zusätzlich Global-e angebunden, sodass weitere Märkte ohne eigene Shop-Instanzen erschlossen werden konnten.

Adobe: Commerce mit modularer Cloud-Architektur

Adobe Commerce verbindet einen umfangreichen Commerce-Funktionsumfang mit einer zunehmend modularen und API-basierten Architektur. Mit Adobe Commerce as a Cloud Service entwickelt Adobe die Plattform in Richtung einer cloudbasierten Commerce-Lösung weiter. APIs auf Basis von REST und GraphQL sowie Headless-Frontends ermöglichen euch eine flexible Anbindung verschiedener Systeme und Frontend-Technologien.

Für Composable Commerce ist vor allem die Erweiterbarkeit über App Builder und API Mesh interessant. Damit könnt ihr eigene Anwendungen und Microservices entwickeln und externe APIs mit Adobe Commerce verbinden, ohne die Commerce-Plattform selbst umfassend anpassen zu müssen. Adobe verfolgt damit einen Ansatz, der den umfangreichen Commerce-Kern mit modularen Erweiterungen verbindet – und euch nicht zwingt, eure gesamte Architektur auf einmal zu zerlegen.

ECKART hat seine digitale B2B-Plattform auf Adobe Commerce Cloud neu aufgestellt. Neben der gewohnten Checkout-Funktionalität bildet die Plattform individuelle Kontakt-, Preis- und Musteranfragen ab und verbindet Content, Produktinformationen und Serviceprozesse. Bestehende ERP- und CRM-Systeme wurden angebunden; zusätzlich wurde eine skalierbare Volltextsuche für einen umfangreichen Dokumentenbestand mit mehreren zehntausend PDF-Dateien umgesetzt.

SAP: Enterprise Commerce mit Composable Storefront

SAP Commerce Cloud richtet sich vor allem an euch, wenn ihr komplexe Commerce-Strukturen abbilden müsst und hohe Anforderungen an Integration und Skalierbarkeit habt. Die Plattform lässt sich eng mit weiteren SAP-Lösungen verbinden und unterstützt unterschiedliche B2B- und B2C-Szenarien. Gleichzeitig setzt SAP mit der Composable Storefront auf eine entkoppelte Frontend-Architektur: Die Storefront kommuniziert über APIs mit SAP Commerce Cloud und lässt sich unabhängig von den Backend-Funktionen entwickeln.

Damit verfolgt SAP einen pragmatischen Composable-Ansatz. Ihr müsst eure bestehende Commerce-Plattform nicht durch eine Vielzahl einzelner Services ersetzen, könnt aber die Präsentationsebene und weitere Bestandteile eurer Architektur zunehmend unabhängig gestalten. Gerade wenn ihr bereits auf SAP setzt und gleichzeitig mehr Flexibilität bei euren digitalen Touchpoints braucht, kann das für euch interessant sein. Die Composable Storefront wird kontinuierlich weiterentwickelt.

HEINRICH KIPP WERK hat seinen bestehenden Onlineshop von einer On-Premises-Umgebung in die SAP Commerce Cloud überführt. Der neue B2B-Shop bietet unter anderem Live-Verfügbarkeiten, kundenindividuelle Preise und den Download von CAD-Daten; Produktinformationen werden über das eingesetzte PIM-System bereitgestellt. Mit dem Cloud Move wurde die Architektur zudem ausfallsicherer und leichter skalierbar.

commercetools: Composable als Grundprinzip

Bei commercetools ist Composable Commerce kein zusätzliches Architektur-Feature, sondern der Kern des Produktansatzes. Die Plattform basiert auf einer modularen, API-first Architektur, in der ihr einzelne Commerce-Funktionen unabhängig voneinander nutzen und mit weiteren Systemen kombinieren könnt. So baut ihr Commerce über verschiedene Touchpoints hinweg auf und passt ihn an eure individuellen Anforderungen an.

Der Ansatz richtet sich besonders an euch, wenn ihr eure Commerce-Architektur konsequent modular aufbauen und einzelne Komponenten unabhängig voneinander weiterentwickeln möchtet. commercetools verbindet diesen Ansatz mit den technischen Prinzipien von MACH – Microservices, API-first, Cloud-native und Headless. Neben klassischen digitalen Kanälen rückt dabei zunehmend auch KI- und agentenbasierter Commerce in den Fokus.

Kroschke SIGN hat seinen E-Commerce-Stack auf Basis von commercetools vollständig erneuert, um individuelle Kundenshops schneller und effizienter bereitzustellen. Die neue Architektur verbindet commercetools mit Contentful für das CMS und Algolia für die Suche; standardisierte OCI-, cXML- und BMEcat-Schnittstellen unterstützen die Anbindung an weitere Systeme. Ein modular aufgebautes Admin Panel und die Migration in die Cloud schaffen zusätzliche Flexibilität und Skalierbarkeit.

Shopware: Modularität auf einer integrierten Basis

Shopware verfolgt einen etwas pragmatischeren Ansatz als vollständig modulare Commerce-Plattformen. Die Commerce-Funktionen kommen aus einer integrierten Plattform, die ihr über APIs, Apps und Erweiterungen an eure individuellen Anforderungen anpassen könnt. Mit Shopware Composable Frontends könnt ihr zudem eigene, vom Backend entkoppelte Storefronts entwickeln und dabei euren Frontend-Stack weitgehend selbst bestimmen.

Damit eignet sich Shopware für euch, wenn ihr von modularen Architekturen profitieren möchtet, ohne eure gesamte Commerce-Landschaft aus einzelnen Services zusammenstellen zu müssen. Besonders interessant ist der Ansatz, wenn ein integrierter Commerce-Kern viele Anforderungen bereits abdeckt, ihr aber gleichzeitig mehr Freiheit bei Frontend, Integrationen oder einzelnen Erweiterungen braucht. Die Grenze zwischen Suite und Composable wird damit weniger zu einer Entweder-oder-Entscheidung.

Schneider Schreibgeräte hat seinen bestehenden Onlineshop auf Shopware 6 migriert. PIM- und ERP-Systeme wurden über Standard-APIs angebunden, während ein passgenaues Hosting auf Microsoft Azure für den Betrieb sorgt. Die neue Plattform gibt Schneider zudem mehr Möglichkeiten zur eigenständigen Weiterentwicklung und schafft die Grundlage für die Erschließung weiterer Märkte.

Pimcore: Commerce als Teil einer Datenplattform

Pimcore nimmt im Vergleich eine besondere Position ein. Die Plattform verbindet Digital Commerce mit PIM, MDM, DAM, CDP und DXP und stellt damit nicht allein den Onlinehandel, sondern auch die dahinterliegenden Daten und digitalen Erlebnisse in den Mittelpunkt. Das zugrunde liegende Open-Core-Framework ist API-basiert und modular aufgebaut; Commerce könnt ihr dadurch mit weiteren Pimcore-Funktionen und externen Systemen kombinieren.

Interessant ist Pimcore deshalb vor allem für euch, wenn Produkt-, Master- und Content-Daten eine zentrale Rolle in eurem Commerce-Modell spielen. Statt Commerce als isolierte Anwendung zu betrachten, verbindet Pimcore die dafür benötigten Daten- und Experience-Funktionen auf einer gemeinsamen Plattform. Gleichzeitig bleibt die Architektur offen für externe Systeme und individuell entwickelte Anwendungen.

Wie sich dieser Ansatz in der Praxis nutzen lässt, zeigt Micro-Hybrid Electronic. Der Anbieter von Sensorlösungen nutzt Pimcore als Basis für seinen Webshop und integrierte eine zuvor separat betriebene Anwendung zur Konfiguration von Gasdetektoren direkt in die Commerce-Plattform. Die individuelle Webanwendung wurde als Pimcore Bundle umgesetzt; zusätzlich übernahm dotSource das Hosting und bereitete die weitere Anbindung an ein separates OMS-System vor.

Composable Commerce als etabliertes Architekturmuster

Composable Commerce lohnt sich vor allem dort, wo Standardisierung an Grenzen stößt und Flexibilität zum echten Wettbewerbsfaktor wird. Der Ansatz verschafft euch mehr Freiraum bei der Auswahl und Weiterentwicklung von Systemen, verlangt aber auch mehr architektonische Klarheit und Steuerung.

Genau darin liegt seine Stärke: Wenn ihr Technologien nicht im Block austauschen, sondern gezielt weiterentwickeln wollt, schafft ihr mit einer modularen Architektur auch gute Voraussetzungen für KI- und agentenbasierte Funktionen. Composable Commerce ist damit weniger ein Trend als eine belastbare Antwort auf wachsende technologische Anforderungen.

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Welche Lösung die richtige ist, hängt von den konkreten Anforderungen ab: Welche Funktionen werden benötigt? Was muss sie können? Was soll sie für Kunden ermöglichen? Und welche Komplexität lässt sich sinnvoll beherrschen? Die passende Architektur ergibt sich aus diesen Anforderungen.
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FAQs – häufig gestellte Fragen zu Composable Commerce

Was ist Composable Commerce?

Composable Commerce beschreibt eine modulare E-Commerce-Architektur, bei der ihr eure Commerce-Landschaft aus einzelnen, flexibel kombinierbaren Komponenten zusammensetzt. Statt auf ein geschlossenes Gesamtsystem zu setzen, könnt ihr Funktionen wie Shop, Content, Suche, Payment oder Order Management gezielt auswählen, integrieren und weiterentwickeln. Das Ziel ist es, die Systemlandschaft besser an eure individuellen Anforderungen anzupassen und Veränderungen schneller umzusetzen.

Was ist der Unterschied zwischen Composable Commerce und Headless Commerce?

Headless Commerce trennt Frontend und Backend voneinander. Dadurch könnt ihr unterschiedliche digitale Touchpoints unabhängig von der zugrunde liegenden Commerce-Logik gestalten.
Composable Commerce geht einen Schritt weiter: Hier wird nicht nur das Frontend entkoppelt, sondern die gesamte Commerce-Architektur aus modularen, austauschbaren Komponenten aufgebaut. Headless kann also Teil eines Composable-Ansatzes sein, ist aber nicht mit Composable Commerce gleichzusetzen.

Was ist MACH-Architektur im E-Commerce?

MACH steht für Microservices, API-first, Cloud-native und Headless. Das Konzept beschreibt technische Prinzipien, auf denen moderne und flexible Commerce-Architekturen häufig aufbauen. Im E-Commerce bildet MACH oft die Grundlage für Composable Commerce, weil sich einzelne Funktionen dadurch unabhängig entwickeln, integrieren und skalieren lassen. Wichtig ist jedoch: MACH ist ein technisches Architekturmodell, während Composable Commerce den übergeordneten strategischen Ansatz beschreibt.

Wie hilft Composable Commerce dabei, Vendor Lock-in zu vermeiden?

Composable Commerce kann euch helfen, die Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern zu reduzieren. Allerdings solltet ihr nicht auf eine einzige Suite für alle Funktionen setzen, sondern spezialisierte Systeme für einzelne Bereiche auswählen. Wenn sich Anforderungen ändern oder eine Lösung nicht mehr passt, könnt ihr einzelne Komponenten gezielt austauschen, ohne die gesamte Commerce-Plattform neu aufbauen zu müssen. So entsteht für euch mehr Flexibilität bei der Weiterentwicklung der Systemlandschaft.

Für welche Unternehmen lohnt sich Composable Commerce?

Composable Commerce eignet sich vor allem für Unternehmen mit komplexen Anforderungen an ihre Commerce-Architektur. Das betrifft zum Beispiel Organisationen mit mehreren Marken, Märkten, Vertriebskanälen oder stark individualisierten Prozessen. Auch wenn bestehende Systeme schrittweise modernisiert werden sollen, kann ein modularer Ansatz sinnvoll sein. Für kleinere oder weniger komplexe Setups ist dagegen oft eine integrierte Plattform die wirtschaftlichere und einfacher zu betreibende Lösung.

Welche Herausforderungen bringt Composable Commerce mit sich?

Die größere Flexibilität von Composable Commerce geht mit zusätzlicher Komplexität einher. Dadurch müsst ihr mehr Schnittstellen, Integrationen und technische Abhängigkeiten steuern als bei einer stark integrierten Suite. Auch Betrieb, Monitoring, Governance und die Zusammenarbeit verschiedener Anbieter werden anspruchsvoller. Deshalb ist Composable Commerce vor allem dann sinnvoll, wenn euch die zusätzliche Flexibilität einen echten geschäftlichen Mehrwert bietet.

Was ist der Unterschied zwischen Composable Commerce und einer monolithischen Plattform?

Bei einer monolithischen Plattform habt ihr viele Commerce-Funktionen in einem eng verbundenen Gesamtsystem gebündelt. Das erleichtert oft den Einstieg und reduziert den Integrationsaufwand, schränkt aber die Flexibilität bei Anpassungen und Weiterentwicklungen ein. Composable Commerce setzt dagegen auf einzelne, miteinander vernetzte Komponenten, die ihr unabhängig voneinander auswählen und austauschen könnt. Dadurch steigt die Anpassungsfähigkeit, gleichzeitig aber auch der Aufwand für Integration und Steuerung.

Ist Composable Commerce eine zukunftssichere Architektur?

Composable Commerce gilt als zukunftsfähiger Ansatz, weil ihr eure Commerce-Landschaft damit flexibler an neue Marktanforderungen, Technologien und Geschäftsmodelle anpassen könnt. Einzelne Komponenten lassen sich schrittweise modernisieren oder austauschen. Ob der Ansatz wirklich zukunftssicher ist, hängt jedoch davon ab, wie gut die Architektur geplant, integriert und betrieben wird. Entscheidend ist die passende Architektur für eure Anforderungen.

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Über Katharina Fuchs

Nach ihrem Studium der Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaften ist Katharina seit September 2022 als Digital Business Analyst Teil von dotSource. Zuvor war sie mehrere Jahre im Marketing und in der Unternehmenskommunikation tätig, unter anderem im B2B- und Healthcare-Bereich. Als Handelskraft-Autorin macht sie komplexe digitale Themen verständlich. Und zeigt, wie Veränderungen und neue Prozesse echten Mehrwert für Unternehmen schaffen.

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