eBay: Was kann eBay retten?

Verfasst am 4. Juli 2007 von .

ebayNach dem großen aufkommenden Desinteresse an der Auktions-Plattform eBay stehen jetzt Änderungen auf dem Programm. Auf eBay Sneak Peek präsentiert eBay künftig, was es Neues geben wird bzw. woran gerade gearbeitet und gebastelt wird.

eBay legt jede Menge Wert darauf, dass der Ruf wieder besser wird und aus 3-2-1-egal (via sueddeutsche.de) wieder 3-2-1-Meins wird.

eBay kündigt beispielsweise in naher Zukunft ein Window-Shopping und 1-Click-Bidding-Feature an. Zudem sollen noch Änderungen an Mein eBay vorgenommen werden. Ob durch diese Aktionen die Attraktivität von eBay wieder besser wird, mag ich zu bezweifeln. Das nimmt die ganze Spannung raus, wenn man schon vorher alle Neuigkeiten erfährt. Community- und vor allem Longtailansätze wären meines Erachtens die wichtigsten Elemente, die eBay wieder fit machen könnten. Hier geht scheint eBay aber doch im Vergleich zum Wettbewerb eher behäbig zu agieren. Beispielsweise lässt die vorgestellte Widget-Version für eBay in Deutschland noch auf sich warten.

eBay-Express ist tot – es lebe eBay-Express!

Meine Vermutung geht eher in die Richtung, dass eBay einen Relaunch seiner Website vorschiebt, um einen Grund zur Abschaltung bzw. Umstrukturierung von eBay-Express zu haben. Von Express-Seite kommen keine guten Informationen und Nachrichten der teilnehmenden Händler. Unter der Decke wird gemunkelt, dass Express eine Totgeburt war. Damit halte ich es für ein grundsätzlich strukturelles Problem, was eBay da hat. Die Trennung zwischen professionellen Händlern und Privatverkäufern ist durch das Abgleiten von eBay-Express nicht gelungen. Die Attraktivität von eBay selbst hat nicht zuletzt dadurch stark gelitten. Wenn man früher wirklich gute Privatsachen auf eBay fand, so ist hier schon lange der Anteil Professioneller Händler dominierend. Langeweile macht sich nicht nur bei mir breit.

Ich glaube daher, dass durch ein One-Click-Bidding die Langeweile nicht genommen wird. Es liegt am Sortiment. Und den Preisen. Schon jetzt ist für viele Nutzer klar, dass eBay eher teuer als preiswert ist. Vergleiche lohnen sich. Und gerade erst heute hatte ich Kontakt zu einem Händler, der mir hocherfreut mitteilte, wie schön teuer er bei eBay seine Waren verkaufen kann. Autsch, eBay!

Zielgruppen – Zielgruppen – Zielgruppen

Aber: Was macht Amazon anders? Nun – Amazon hat viel getan. Viel ausprobiert. Viel Marketing betrieben, wie es im Netz angebracht und angesagt ist. Und ist mittlerweile sehr attraktiv. Für alle. Denn: Es ist Amazon gelungen neben vielen Händlern auch den Longtail zu erobern. Damit konnte Amazon durch Innovationen glänzen. Bei eBay – lange nix Neues und die Nutzer nicht dort abgeholt, wo sie unterwegs sind: Im Netz!

Es scheint damit ein Problem zu sein, dass man keine klare Zielgruppe anvisiert. Die junge Internet-Nutzer-Gemeinde scheint gelangweilt und die Alten hatten eh nie wirklich eine Faible für eBay. Schnäppchenjäger finden auch nicht mehr so recht ihren Platz auf der Auktionsplattform und für Händler sind viele Vermarktungsalternativen günstiger. Welche Zielgruppe bleibt eBay?

Die eigentliche Frage wäre damit: Auf wen zielt eBay?

Die fetten Jahre sind also anscheinend für eBay in Deutschland vorbei – eBay ist Standard und damit verdammt dazu langweilig zu sein?!
Die Parole sollte lauten: Holt Euch die Nutzer dort ab, wo sie im Netz unterwegs ist!

Ich bin wie immer gespannt, wohin der Riese die Reise geht.

Aber wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger… 😉

[via: exciting commerce]

(noch keine Bewertung)
Loading...



4 Reaktionen zu “eBay: Was kann eBay retten?”

  1. Retrolum

    Am 4. Juli 2007 um 13:43 Uhr

    EBay ist ein gutes Beispiel, was passiert wenn man nur noch den Shareholder-Value im Auge hat (und das nicht mal funktioniert, wenn man sich den Kurs ansieht) – Gewinnmaximierung mit allen Mitteln, nur sind sie dabei weit, weit über das Ziel bzw. des Ertragbaren hinausgeschossen. Aber: Anstatt nun den Weg zurück zu finden, zeigen aktuelle Maßnahmen (Beispiel Gebührensenkung im Bereich Technik _aber_ erst ab 100 Euro Startpreis, anderes Beispiel der Umbau des Wiedereinstellformulars usw. usw.), das nach wie vor nur eins zählt: Schröpfen bis der Arzt kommt.

  2. Andreas Lerg

    Am 5. Juli 2007 um 11:52 Uhr

    eBay hat meiner Meinung nach den Web 2.0-Hype verschlafen. Es gibt zwar erste Ansätze, aber die sollten ausgebaut werden. eBay müßte vom Marktplatz oder Schnäppchenmarkt zum Einkaufserlebnis-Zentrum werden, in dem man dieses Erlebnis mit anderen teilen kann. Der fühe Charme des Flohmarktes ist lange schon weg, aber es gibt ungenutzte Potentiale.

  3. Holger Weser

    Am 5. Juli 2007 um 11:59 Uhr

    seh ich auch so. Wobei die Frage der Zielgruppe meines Erachtens der Dreh-und-Angelpunkt bleibt. Einkaufserlebnissteigerung ist das eine – und das wollen auch alle bieten. Aber eine richtige Platzierung gegenüber einer konkreten Zielgruppe ist der erste notwendige Schritt.

    Denn welch Erlebnis man bieten muss, hängt letztlich doch auch wieder von der Zielgruppe ab.

  4. eBay: Einsame Front ||| Handelskraft |||

    Am 9. Juli 2007 um 15:07 Uhr

    […] Meine Mutmaßungen vom 4.Juli finden in diesem Artikel Bestätigung. Interessant finde ich die Zahl, dass die auf eBay Verkaufenden Ihre Produktanzahl im vergangenen Jahr um 25% steigern konnten. Jedoch wird auch meine Vermutung bestätigt, dass eBay zwar im Bereich der Auktionen auf einsamer Front agiert, sich jedoch ideenlos und wenig innovativ zeigt. Der eBay-Aktienkurs der letzten 3 Jahre bestätigt den stillen Niedergang. Zum Vergleich hierzu steht der Google-Aktienkurs der letzten 3 Jahre. […]

Startseite zurück zur Startseite