Werbung im Web: Eine Balance mit dem Gewissen

Verfasst am 15. Mai 2009 von .

Laut einer Untersuchung von eBay Advertising mit dem Marktanalyse-Unternehmen Cross Tab sollen Anzeigen und Werbeplatzierungen auf E-Commerce-Seiten eine wesentlich größere Wirkung auf Konsumenten haben als auf anderen Seiten. Knapp 1500 Teilnehmer nahmen an dieser Untersuchung teil, von denen 83 Prozent mehr Zeit für Suche und Recherche nach Produkten und Services online investieren, als noch vor sechs Monaten. Dabei wurde auch die Wahrnehmung von Online-Werbung untersucht: 61 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bewusst auf Anzeigen während des Aufenthalts auf einer Shoppingseite achten, sofern sie deren konkreten Suchanfragen entsprechen. (Bei sozialen Netzwerken liegt diese Zahl natürlich deutlich geringer, bei etwa sieben Prozent, laut Untersuchung.)

Was für Shoppingseiten gilt, gilt noch lange nicht für Blogs. Genau wie es Jürgen Vielmeier in einem interessanten Artikel auf den Punkt brachte, ist aufgeschwatzte Werbung manchmal sehr lästig. Auch ich bekomme hin und wieder ein paar Angebote, die ich nicht mal für Geld bewerben würde. Viele Anfragen sind frech und sind mit Begründungen wie „Im Internet sind Empfehlungen von Kunden und Partnerseiten der wichtigste Bestandteil für den Erfolg einer Webseite” behaftet. Das klingt modern, soll den Trend auf den Punkt bringen, wirkt sich aber zwangsläufig für beide Seiten negativ aus.

Gekaufte Beiträge (sofern überhaupt eine winzige Summe Geld oder ein Gutschein als „Bezahlung” angeboten wird) sollen im Interesse des Werbetreibenden stehen. Aber: Sollte ein Produkt oder eine Dienstleistung wirklich gut und überzeugend sein, wozu dann so eine Strategie Geld gegen Beitrag? Gerade Blogleser lassen sich so nicht ködern. Die entsprechenden Blogs, die solche Angebote annehmen laufen auf Dauer Gefahr ihre Leser zu vergraulen, zu verlieren und abzuschrecken, wenn der sonstige Inhalt des Blogs ansprechend und informativ ist.

Witzigerweise ist das eine Form des Marketings, die erstens nicht mehr zieht, zumindest nicht beim Zielpublikum, und die sich selbst wiederum mit Aussagen wie „Im Internet sind Empfehlungen von Kunden und Partnerseiten der wichtigste Bestandteil für den Erfolg einer Webseite” als zeitgemäß einschätzen.

Lasst die Werbeanfragen stecken, Leute. Ich will keine 20 Euro und auch keine Gutscheine. Wenn mich ein Angebot überzeugt, dann schreibe ich darüber einfach. Gerne kann man mir Tipps per Mail (Impressum) zuschicken, aber lasst diese Anbiederungsversuche sein. Handelskraft sowie das Angebot freshzweinull von Jürgen Vielmeier (oder auch unzählige andere lesenswerte Blogs) informieren ihr Publikum über Entwicklungen aus dem Netz, grob zusammengefasst. Wir bieten separate Werbeplätze gegen Geld in unserer Sidebar an. Wenn jemand den Wunsch hat, seine Dienstleistung zu bewerben, dann stehen ihm diese Plätze auch zur Verfügung.

Und so möchte ich mich den Worten Vielmeiers anschließen:

was in der Online-Werbung bei vielen Blog-Vermarktern inzwischen gang und gäbe ist, selbst bei vielen von denen, die seriös auftreten. Dass hier ganz offen gegen Presserecht und Pressekodex verstoßen wird, ist einem ganzen Industriezweig also egal. Dass hier ganz offensichtlich Schleichwerbung betrieben wird, dass Leser damit in die Irre getrieben werden, ist den Verantwortlichen ebenfalls egal. Blogger/Online-Magazine riskieren damit, dass sie ihre Leser vergraulen. Aber sie tun es trotzdem, weil sie damit ihrer Refinanzierung ein Stück näher kommen.

Bietet euren Lesern ehrlichen, eigenen und best möglich recherchierten Content, aus dem Bereich über den ihr bloggt, dann hat man auch ein paar Leser. Diese Leser überzeugt man durch Interesse, guten Gedanken und Fachwissen.

Und das erzeugt eine größere Reichweite als aufgeschwatzte Werbeartikel, bei denen ich regelmäßig wegklicken muss.

Leser in die Irre führen? Wenn es Geld einbringt, …

Diese Frage muss jeder für sich beantworten. Handelskraft wünscht ein schönes Wochenende.

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