Pottermore, Small Demons & Everything Butt Art weisen den Weg in die Zukunft des Buches

Verfasst am 26. April 2012 von .

Während in Deutschland noch immer über Chancen und Möglichkeiten im Buchhandel diskutiert wird, werden im englischsprachigen Raum längst Nägel mit Köpfen gemacht.

Scheinbar unumgängliche Instanzen wie Verlage und Händler verlieren an Bedeutung, die Grenzen zwischen der Welt in den Büchern und unserer eigenen lösen sich auf.

Wir stellen euch neben dem bekanntesten Beispiel Pottermore noch zwei weitere spannende Projekte vor, die nicht nur den Buchhandel, sondern auch unseren persönlichen Zugang zu Büchern verändern werden.

1. Pottermore

Pottermore Screenshot

Formal betrachtet ist Pottermore eine Verkaufsplattform, über die die Harry Potter-Saga im Hörbuch- und E-Book-Format angeboten wird. Die Autorin umgeht damit die die Infrastruktur des Buchmarktes. Doch das ist nicht der einzige Rahmen, der hier gesprengt wird:
Pottermore ist gleichzeitig eine Community-Plattform, die Elemente eines Online-Spiels mit einschließt. Die Fans betreten die Welt des berühmten Zauberlehrlings, werden beispielsweise einem Hogwarts-Haus zugeteilt, lernen Zaubersprüche und können sich mit anderen Nutzern duellieren. Außerdem erhalten sie Zugriff auf zusätzliche Inhalte, Hintergrundinformationen und Notizen.

J.K. Rowling kontrolliert damit den Onlinevertrieb, verfügt über alle Nutzerdaten und hebt nebenbei das Lese- und Online Shopping-Erlebnis auf ein neues Level. Dem ist nichts hinzuzufügen.

2. Small Demons

Small Demons Screenshot

Um das Fanerlebnis geht es auch bei Small Demons. Dort hat man es sich zur Aufgabe gemacht, ein Verzeichnis aller Dinge, die in Büchern vorkommen – Städte, Gebäude, Getränke, Musik, Personen, Autos, uvm. – zu erstellen.

Mithilfe der User entsteht eine Datenbank, die die Welten der Bücher greifbar macht und einen neuen Zugang zu Büchern bietet.

Daraus ergeben sich die unterschiedlichsten Nutzungsmöglichkeiten. Besonders interessant ist dieses Prinzip für Empfehlungen. Wer zum Beispiel fasziniert von einer bestimmten Epoche, einer Stadt oder einer historischen Persönlichkeit ist, findet hier einen Fundus an Büchern, die es darüber gibt oder die in Zusammenhang dazu stehen.

Basierend darauf wird es möglich, noch bessere (da inhaltszentrierte) Empfehlungen zu generieren. Man stelle sich eine mit diesen Daten angefütterte Plattform verknüpft mit einem Shop vor… gezieltere Buchempfehlungen sind kaum denkbar.

3. Everything Butt Art

Was passiert, wenn man ein digitales Kinderbuch mit Tablet-PCs verbindet, zeigt das Projekt “Everything Butt Art”. Dahinter steckt die Idee, dass Malen leichter fällt, wenn man an einer bereits vorhandenen Struktur ansetzen kann. In diesem Fall ist es, wie schon im Titel erkennbar, die (stilisierte) Form eines Hinterns. Aufschluss gibt das folgende Video:

Hier sind App und Kinderbücher direkt miteinander verknüpft und begeistern damit nicht nur die Kinder. Es wird auch deutlich, welches kreative Potenzial die Verbindung aus Büchern, Tablets und Apps birgt.

Fazit

Mit Pottermore hat J.K. Rowling gezeigt, dass der digitale Direktvertrieb von Büchern nicht nur ein Thema für “Self-Publisher” ist. Aber auch die Art, wie wir Bücher auswählen, erleben und weiterempfehlen wandelt sich rasant, was man an Projekten wie Small Demons und Everything Butt Art sehen kann.

Bleibt zu hoffen, dass derartige Ideen im deutschen Buchhandel auf offene Ohren treffen.

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Kategorie: Buchhandel


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