Der Online-Gigant wird stationär: Amazon Books ist da

Verfasst am 5. November 2015 von .

Screenshot: Amazon

Screenshot: Amazon

Letzte Woche berichteten wir noch über Amazons Umtriebigkeit, nun folgt auch schon der nächste Streich: Die Eroberung des stationären Handels. Nicht nur temporär; Pop-up-Konzepte wurden bei Amazon ja schon in der Vergangenheit evaluiert. Stattdessen öffnete am Dienstag in Seattle der erste Amazon-Buchladen seine Pforten. Im Einkaufszentrum University Village befindet sich Amazon Books in bester Gesellschaft: Auch Microsoft und Apple sind hier mit Stores vertreten.

Was an Auswahl fehlt, muss die Qualität wettmachen

Auf weniger als 700 Quadratmetern Ladenfläche bietet Amazon Books ein Sortiment von fünf- bis sechstausend Titeln – und fährt damit im Vergleich zum umfangreichen Onlineangebot einen eher minimalistischen Ansatz. Anstatt die Bücher mit dem Buchrücken nach vorn in Reih und Glied ins Regal zu stellen, zeigen die Cover nach außen – nicht gerade platzsparend. Umso dringender bedarf es einer gut sortierten Auswahl an Titeln, um die Kunden vom stationären Buchladen zu überzeugen.

Im Interview mit Geekwire erklärt Amazon Books Vizepräsidentin Jennifer Cast, wie das Konzept aufgehen soll:

»What we are doing that is really different — and what we hope is innovating to help customers find books they will love — is taking all this data that is inside dot-com and bringing it into a store for the first time.«

Digitale Informationen für das stationäre Geschäft nutzen

Bei der Auswahl der Bücher, die im Store erhältlich sind, greift Amazon auf seinen gesammelten Online-Datenbestand zurück: Kundenrezensionen, Vorbestellungen und Verkaufszahlen von Amazon.com und Beliebtheit bei Goodreads, der sozialen Rezensionsplattform von Amazon, sowie Bewertungen der eigenen Mitarbeiter sind die Basis des stationären Sortiments. So wurden fast alle bei Amazon Books erhältlichen Bücher online mit mindestens 4 Sternen bewertet.

Rezensionen statt Preise

Die Stimmen der Kunden sind im Amazon-Buchladen allgegenwärtig: Unter jedem Buchtitel findet sich eine Kundenrezension von Amzon.com, außerdem die Bewertung der Rezension durch andere Kunden und die Gesamtplatzierung auf der hauseigenen 5-Sterne-Skala. Das Angebot ist zudem nicht nur nach Genres sortiert, sondern auch nach Verkaufszahlen und Online-Bewertungen. Preisschilder sucht man bei Amazon Books jedoch vergebens – die Preise sind die gleichen wie im Onlineshop und werden über die Amazon-App oder Barcode-Scanner im Laden ausgelesen. Die Bücher, ob als Print- oder Digitalkopie, können dann im Store gekauft, nach Hause bestellt oder der Amazon-Wunschliste hinzugefügt werden.

Screenshot: Amazon

Screenshot: Amazon

Die digitale DNA ist nicht zu leugnen

Doch Amazon Books entspräche wohl nicht dem Unternehmensgeist, wenn der Store tatsächlich nur Bücher führen würde. Der Kunde soll schließlich auch mit dem umfangreichen digitalen Angebot in Kontakt kommen. Hörbücher und Filmtrailer über Fire, E-Books über Kindle oder die Virtuelle Assistentin Alexa über Echo – im ganzen Store können und sollen die Services von Amazon auf den hauseigenen Geräten erkundet werden. Fragen zur digitalen Produktpalette beantworten Mitarbeiter an der Infotheke „Amazon Answers“.

Weitere Filialen könnten folgen

Und was verspricht sich Amazon vom ersten stationären Buchladen? Natürlich geht es laut eigener Aussage in erster Linie um die Kunden, doch nicht zuletzt auch ums Geschäft:

»We’re a business, so our goal is to focus on customers, give them a great bookstore, let them test drive our devices, and to sell a lot of books and devices.«

Jennifer Cast, Amazon Books VP

Soweit jedenfalls die Theorie. Angesichts des überschaubaren Buchsortiments und der Präsenz von Kindle & Co. ließe sich allerdings auch vermuten, dass Amazon Books vor allem die digitalen Services und Produkte physisch greifbar machen und verkaufen will. Interessant wird es auch zu sehen, wie das auf Online-Rezensionen basierende Buchsortiment bei den Kunden ankommt. Ob das datengetriebene Konzept im stationären Handel aufgeht, wird sich zeigen.

Wie die Buchhändler auf den Einstieg des Online-Platzhirschs in den stationären Handel reagieren, steht auf einem anderen Blatt. Sollte das Projekt Amazon Books in Seattle einen erfolgreichen Start hinlegen, könnten weitere Stores folgen. Laut offizieller Aussage sind andere Filialen zwar vorerst nicht in Planung, doch wenn der Laden erstmal brummt, auch nicht ausgeschlossen.

Bessere Rankings mit Amazon

whitepaper-bessere-rankings-auf-amazon-cover Unser aktuelles Whitepaper »Bessere Rankings auf Amazon« zeigt ausführlich wie man mit Amazon-SEO Produkte für Deutschlands beliebteste Produktsuchmaschine optimiert. Umfangreich wird auf die verschiedenen Stellschrauben eingegangen, mit denen Inhalt-, Performance- und indirekte Faktoren optimiert werden können, um die Conversion-Rate zu erhöhen. Händler und Hersteller können den Ratgeber hier zum kostenlosen Download anfordern.

(6 Bewertung(en), Schnitt: 5,00 von 5)
Loading...



Eine Reaktion zu “Der Online-Gigant wird stationär: Amazon Books ist da”

  1. E-Commerce Radar: Otto liefert zum Wunschtermin, Locafox und Südwest-Presse für Einzelhandel, Amazon Book ist da

    Am 10. November 2015 um 09:31 Uhr

    […] Amazon Books ist da Der weltweit größte Online-Händler wird stationär. Mit seinem neuen Konzept Amazon Books will Amazon nun auch Anteile im stationären Handel holen. Die Erfahrungen mit Popup Stores hat Amazon ja bereits länger sammeln können. Nun wurde im Einkaufszentrum University Village der erste Buchladen von Amazon eröffnet. (more) […]

Startseite zurück zur Startseite