Wie Messenger den Onlineshop beerdigen – E-Commerce im Nachrichten-Stream

Verfasst am 17. März 2016 von .

E-Commerce emanzipiert sich gerade vom Onlineshop. Bestellt wird per Knopfdruck, Spracheingabe oder direkt im sozialen Netzwerk. Statt des klassischen Shoprasters setzt sich allerorten der Stream durch. Das Prinzip des endlosen Scrollens durch personalisierte Inhalte ist schon seit langem nicht mehr auf Facebook beschränkt, sondern hält auch im E-Commerce Einzug. Buy Buttons begegnen uns aus diesem Grund in allen Netzwerken und direkt in den Google-Ergebnisseiten. Da wäre der Klick zum Shop doch nur ein Umweg.

Kein Zufall, dass jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, seine eigene Infrastruktur aufbaut, die weit über die des klassischen Shops hinausgeht. Die Zeit der Plattform ist angebrochen. Vernetzung und Kundenzufriedenheit ohne Kompromisse lauten die Zutaten für die Strategie der ganz Großen. Apple prescht voran und entfernt den Onlineshop gleich ganz. Die Abkehr vom Onlineshop geht so weit, dass der Kauf per Messenger zum neuen Trend wird. Concierge Services wie GoButler machen es vor.

Wohin führt das alles? Selbstverständlich zu mehr Tempo. Denn ungenutzte Flächen, Zeitfenster und Ressourcen sind den digitalen Playern ein Graus. Downtime wird eliminiert, wo man sie findet.

Streams statt Websites

Streams haben die Logik des Internets ein für alle Mal verändert. Chats, Facebook und Twitter sind schon seit grauer Vorzeit so aufgebaut. Dass wir beim Surfen endlos scrollen und wischen ist inzwischen Normalität. Doch nicht nur ihre Eigenschaft, einfach kein Ende zu nehmen, zeichnet Streams aus. Auch, dass ihre Inhalte auf den Nutzer zugeschnitten sind. Dieser steht buchstäblich im Mittelpunkt, die dynamischen Streams spiegeln die persönlichen Interessen und Bedürfnisse. Streams sind überall zu finden. Auch am E-Commerce geht die Entwicklung nicht spurlos vorbei. In der Konsequenz werden Shops dynamischer. Personalisierung kommt eine immer wichtigere Bedeutung zu, keine zwei Nutzer sehen die gleichen Preise, Produkte und Empfehlungen.

Erste Vorreiter wie About You integrieren den persönlichen Stream als zentralen Bestandteil des Shops. Kein Kunde sieht den gleichen Shop, dieser gleicht eher einem persönlichen Dashboard. Doch die Auflösung der statischen Websites in Streams reicht noch weiter. Shops gehen vollständig in Streams auf, die Integration von Buy Buttons und weiteren E-Commerce Funktionen in soziale Netzwerke und die Google-Suche machen Shopping allgegenwärtig, losgelöst von Onlineshops. Direkt aus der Twitter Timeline, den SERPs oder dem Pinterest Posting heraus zu (ver)kaufen ist ein unaufhaltsamer Trend.

time

Quelle: time.com

Nachdem Twitter und Google schon länger mit dem Buy Button experimentieren, von Facebooks beständigen E-Commerce Ambitionen gar nicht zu reden, steigt nun auch die Bilder-Plattform Pinterest im großen Stil ein und realisiert »Buyable Pins«.

Gemeinsamer Nenner: Ein Onlineshop ist bei der Transaktion zu vernachlässigen. Auch auf YouTube ist es künftig möglich, aus Videos heraus zu kaufen. Das beunruhigt Händler, denn wo stehen Onlineshops, wenn die großen Player zusehends E-Commerce Funktionalitäten bis hin zu kompletten Transaktionen auf die eigene Plattform holen?

Ob man diese Entwicklung kritisch sehen will oder nicht – fest steht: Das Konzept des Shops rückt in den Hintergrund, ist nur noch Erfüllungsgehilfe und Backoffice. Das Gesicht zum Kunden haben die Streams inne.

Messenger werden zur Schaltzentrale

Wie weit sich E-Commerce vom Shop bereits entfernt hat, zeigt nichts eindrucksvoller als die Bestellung via Messenger. Dies geschieht zum einen durch sogenannte Concierge Services. Mit Startups wie Magic und GoButler konkurrieren aktuell gleich mehrere Services dieser Art darum, Kunden möglichst schnell und unkompliziert zu bedienen. Diese müssen einfach nur eine SMS mit ihrem aktuellen Bedürfnis und Standort schreiben.

Der Rest geschieht quasi von Zauberhand und wie genau der Wunsch erfüllt wird, ist den Kunden dabei egal, solange das Problem gelöst wird.

Die Wunschfee existiert doch und ist nur eine Nachricht entfernt.

Die Wunschfee existiert doch und ist nur eine Nachricht entfernt.

Das Prinzip – der Messenger als Schaltzentrale des Lebens – findet sich zum anderen auch bei WeChat wieder. Das chinesische Pendant zu Whats- App ist viel mehr als ein Messenger. Die Zahl der Services, die sich inzwischen um die Chatfunktion herum gruppieren, ist kaum zu beziffern. Funktionen, die bei uns von gesonderten Apps übernommen werden, sind dort integriert. WeChat sagt, wie das Wetter wird, ruft ein Taxi, dient als Mobile- Payment-App oder vereinbart einen Werkstatt-Termin.

Zu diesen eher klassischen Funktionen kommen noch weitere Services, die im europäischen Raum wohl eher als ungewöhnlich gelten dürften: Ob es darum geht, Strafzettel oder Steuern zu bezahlen, einen Termin für Trauung bzw. Scheidung zu buchen oder die Staatsbürgerschaft zu beantragen – WeChat ist die erste Anlaufstelle.

So weit ist die westliche Welt mit WhatsApp noch lange nicht. Doch es tut sich etwas. Auch bei uns sind Messenger längst das Herzstück der Smartphone-Nutzung. Wie überall gilt: Kommunikation ist alles. Dies entdecken zunehmend auch Unternehmen für sich. Ob als Nachrichtenservice, für persönliche Beratung oder als temporärer Marketingkanal, erste Unternehmen wagen sich an das Thema WhatsApp und experimentieren damit. Der Wohndesign-Shop Connox erweitert seinen Kundenservice mit Shopping- und Einrichtungsberatung via WhatsApp. Zalando testet die persönliche Stilberatung via WhatsApp als ergänzenden Kanal des Curated Shopping Services.

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Eine Reaktion zu “Wie Messenger den Onlineshop beerdigen – E-Commerce im Nachrichten-Stream”

  1. Fabian von pixi

    Am 18. März 2016 um 08:43 Uhr

    Sehr schöner Artikel. Gerade das Youtube-Thema finde ich persönlich sehr spannend. Neulich das erstmal darüber was gekauft. Viele Grüße aus München

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