Der Cross-Border-Onlinehandel ist noch immer ein offenes Thema [5 Lesetipps]

Verfasst am 1. August 2016 von .

Source: nanisimova - Fotolia

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Obwohl das Internet viele Möglichkeiten für beide – Unternehmen und Verbraucher – bereithält, kaufen nur 15 Prozent der Kunden online in anderen EU-Ländern ein und nur 8 Prozent der Firmen verkaufen grenzübergreifend. Was sind die Gründe dafür?
 
Laut dem Flash Eurobarometer “Companies engaged in online activities” (2015), meinten 51 Prozent der Unternehmen, die online bereits in andere europäische Länder verkauft oder dies zumindest versucht haben, dass die Lieferkosten zu hoch wären, während 38 Prozent von ihnen nicht wussten, welche Regeln dabei zu befolgen wären.
 

Zu teuer und zu kompliziert

Wie die Grafik unten zeigt, sind hohe Liefergebühren für Paketversand und Retouren sowie der Umgang mit grenzübergreifenden Beschwerden die Hauptprobleme für Unternehmen, die zumindest einmal online ins Ausland verkauft haben:

Source: 2015 Flash Eurobarometer

Quelle: 2015 Flash Eurobarometer

Um die Hindernisse zu überwinden und die Sichtweisen von Onlinehändlern aus 17 verschiedenen Märkten zu vermitteln, hat die European eCommerce & Omni-Channel Trade Association (EMOTA) innerhalb des digitalen EU-Binnenmarkts während der letzten Jahre eine Reihe konstruktiver Initiativen durchgesetzt. Der Verband unterstützt politische Entscheidungsträger und behält dabei das Kundenvertrauen im internationalen Onlinehandel im Blick.

Zwei der politischen Schwerpunkte von EMOTA liegen in der Schaffung eines nahtlosen, wettbewerbsfähigen Binnenmarkts für den Paketversand und den Zahlungsverkehr. Der Umfang der geforderten Reformen deckt allerdings noch viele weitere grundlegende und komplexe Aspekte ab. Das betrifft vor allem Maßnahmen zur Reduktion von Kosten, zur Vermeidung von Rechtzersplitterung sowie zur Förderung gemeinsamer Politik, um den grenzübergreifenden Handel agiler und transparenter zu gestalten.

Quelle: Econometric study on letter and parcel prices - Saint-Louis University

Source: Econometric study on letter and parcel prices – Saint-Louis University

Es ist verrückt, wie sehr sich Lieferkosten je nach Land und hinsichtlich nationalem oder internationalem Versand unterscheiden. Es gibt keine Rechtfertigung für einen so frappierenden Preisunterschied in zwei benachbarten Ländern, deren bilateraler Handel und Wirtschaft stabil sind, wie ihn das Benchmarking zwischen Österreich und Italien zeigt, das im Rahmen einer neuen ökonometrischen Studie zu Brief- und Paketpreisen von der Universität Saint-Louis erstellt wurde.

Infolge dieser und anderer Studien zur Beurteilung der Situation hat die europäische Kommission kürzlich ein Maßnahmenpaket zu Paketpreisen, Verbraucherrechten und ungerechtfertigtem Geoblocking beschlossen, das 2017/18 umgesetzt werden soll.

Trotzdem gilt es einige Hindernisse zu überwinden, um das Geschäft florieren zu lassen und die Abläufe einfacher zu gestalten. Es ist enorm wichtig, die Koordination und Kooperation zwischen Branchen, Unternehmen und Regierungen zu fördern. Es geht dabei um ausgezeichnete Kommunikation sowie darum, auf diese Themen aufmerksam zu machen, denn viele Unternehmen wissen weder, dass es Organe gibt, die ihnen helfen könnten, sich in internationalen Märkten zu positionieren, noch kennen sie die entsprechenden Richtlinien, an denen sie sich orientieren müssen. Hier sind Information und Anleitung gefragt. Es gibt viele hilfreiche Organisationen und Plattformen, wie etwa die European Cluster Collaboration Platform (ECCP), die EMOTA oder den Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh), die hier unterstützen und ihre Stimme zu einem wachsenden, kritischen Thema im E-Commerce und Cross-Border-Onlinehandel erheben.

Asien, vor allem China, nimmt Fahrt auf

China, einer der größten Konkurrenten der EU, hat seine Hausaufgaben offenbar gemacht und treibt effektive Maßnahmen zur Preisreduktion und Qualitätsverbesserung voran. Ein gutes Beispiel dafür ist das im letzten April in Kraft getretene Vorschriftenpaket zur Beschleunigung der Zollabfertigung, wodurch Kunden nun Bestellungen aus dem Ausland in kürzerer Zeit erhalten. Die Hauptregelung bestand in der Aufhebung der Paketsteuer, die auf grenzüberschreitende E-Commerce-Verkäufe im Einzelhandel erhoben wurde. Stattdessen werden nur 70 Prozent der Mehrwert- und Verbrauchssteuer erhoben, solange einige Voraussetzungen erfüllt werden.

Diese Maßnahmen kurbeln einen E-Commerce-Markt an, der laut dem Consulting-Unternehmen McKinsey aktuell mehr als 6 Prozent des gesamten chinesischen B2C-E-Commerce ausmacht und pro Jahr um mehr als 50 Prozent wächst.

Doch hinter diesem rapiden Wachstum stehen noch andere Umstände, wie die Entstehung neuer Plattformen und die wachsende Nachfrage nach ausländischen Produkten, die am chinesischen Markt noch nicht erhältlich sind. So ist es nicht überraschend, dass Amazon hier große Marktchancen wittert und Offshore-Shoppingseiten sowie seine eigene chinesische Seite (Amazon.cn) an den Start gebracht hat.

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