Dell: 3 Millionen Dollar Umsatz via Twitter?

Verfasst am 15. Juni 2009 von .

Dell hat 3 Millionen Dollar via Twitter umgesetzt, berichtete THE BUSINESS INSIDER vergangenen Freitag. Diese Schlagzeile wurde leider auch von einigen sonst stets zuverlässigen Branchenquellen übernommen und teils auch euphorisch unterstrichen. Es geht also doch: Verdienen mit Twitter.

dell-logo-002-300x300Einige Fakten von THE BUSINESS INSIDER wurden jedoch nicht mit übernommen:

Die 3 Millionen Dollar rechnen sich aus den vergangenen zwei Jahren Jahren zusammen, eine Million Dollar davon im letzten halben Jahr. Mir ist nicht ganz klar, wie sowohl THE BUSINESS INSIDER, als auch das t3n-Magazin auf eine Summe von 2 Dollar pro Follower im Jahr kommen? Nach dieser „Statistik” müssten 600.000 Follower bei 3 Millionen Dollar Umsatz ja bei 5 Dollar pro Follower liegen, oder?

Davon mal abgesehen, hat Dell keine 600.000 Follower und, das wurde ebenfalls nicht erwähnt, mehr als nur einen Twitter-Vertriebskanal. Insgesamt pflegt Dell mehr oder wenig 34 verschieden ausgerichtete Twitter-Accounts. Drei Millionen Dollar Umsatz in zwei Jahren mit 34 Twitter-Accounts klingt nicht mehr ganz so nach Jubelschreie, finde ich.

Aber selbst die Geschäftsabwicklung hat mit Twitter nicht mehr viel zu tun. Im Grunde ist Twitter in diesem Fall nichts anderes als ein individuelles und kundenfreundliches Affiliate-Programm, für das Twitter durchaus Geld verlangen könnte:

If Twitter could throw in some analytical tools, it might be worth it. A direct pipeline to your customers and potential customers is always nice. So figure Dell soon hits 1 million followers, and figure the rest of the Fortune 500 follow suit. You could get to some nice revenue pretty quickly.

Fakt ist, dass 3 Millionen Dollar innerhalb von zwei Jahren nicht sonderlich viel ist, aber zumindest ist es ein Anfang.

Mittlerweile verkaufen auch Weinhändler ihre Produkte via Twitter, da sich hier bereits eine sehr gut vernetzte (und stark konkurrierende) Community herausgebildet hat. Wie ich von einem Weinhändler erfahren habe, hat dieser bei einem Aktionsverkauf mehr als 90 Kisten Wein verkaufen können, was sicherlich nicht viel ist, jedoch auch ihn verblüfft hat. Die Nachfrage konnte er nicht decken.

Mit Twitter selbst ist aufgrund des aktuellen technischen Stands momentan nichts zu verdienen, es eignet sich jedoch als Werbetrommel, zum Kontaktaufbau und Support von Kunden. Hier muss man differenzieren, sonst können durch Euphorie ausgelöste Vertriebsaktionen aus dem Nichts einfach so verpuffen, während die Marketing-Abteilung in die Röhre schaut.

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6 Reaktionen zu “Dell: 3 Millionen Dollar Umsatz via Twitter?”

  1. Robert

    Am 15. Juni 2009 um 15:12 Uhr

    Den durchschnittlichen “Umsatz” pro Twitter-User und Jahr anzugeben, setzt voraus, dass man weiß, in welchem Maße die User in diesen Zeitraum gewachsen sind. Einfach die User zu einem Zeitpunkt zu nehmen, verzerrt das tatsächliche Bild.

    Was ich interessanter finde, sich aber leider nicht aus dem Artikel und den verlinkten Quellen erschließt, ist WIE Dell über Twitter Umsatz generiert. Vielleicht kann mich ja mal jemand aufklären …

  2. Falk Hedemann

    Am 15. Juni 2009 um 15:56 Uhr

    Die Umsatz/Follower-Rechnung ist natürlich nicht ganz genau, liegt aber abgerundet bei etwa 2 Dollar:

    3.000.000 : 600.000 : 2 = 2,5 (abgerundet 2)
    Umsatz : Follower : Jahre

    @Robert: Nach meinem Wissen hat Dell die Umsätze über spezielle Angebote, die exklusiv via Twitter gemacht wurden, generiert.

    Wer sich die Twitter-Accounts von Dell genauer anschaut wird auch feststellen, dass sie nicht alle dazu dienen Umsätze zu erzielen.

  3. Sebastian (Handelskraft)

    Am 15. Juni 2009 um 16:03 Uhr

    @Robert
    Das meine ich ja. Dell hat keine 600.000 Follower. Mit allen Accounts sind das mittlerweile weitaus mehr. Und wieviele vor zwei Jahren Dell gefollowt und eingekauft haben weiß auch keiner. Man kann über den Twitter-Counter maximal das Follower-Wachstum der letzten drei Monate nachvollziehen. Ich nehme dazu die Accountszahlen des größten Dell-Twitter-Accounts, von dem ja mit 600.000 nur die Rede sein kann: DellOutlet

    Hier sind die Zahlen: DellOutlet-Twitter Stats
    Wie zu erkennen, betrug die Followerzahl am 15. März 2009 aufgerundet 171.200 Follower, dein Einschub, Robert, ist also berechtigt. Das Bild ist also erheblich verzehrt und macht ein Statement zum Umsatz mit x-Followern unter diesen Umständen unmöglich. Es war wohl eher eine Milchmädchenrechnung.

    WIE Dell diesen Umsatz generiert hat, frage ich mich auch, diese Fragestellung greife ich jedoch am Ende auf. Ich denke mit Twitter kann man aktiv keinen Umsatz generieren, man kann nur Angebote verlinken und durch diesen Schritt Rabatte oder Gutscheine anbieten. In der Regel verlinkt man Produkte in einem Tweet. So stelle ich mir das vor und habe es auch so auf einigen Dell-Twitter-Accounts gesehen. Ich schätze hier kann man vorerst nur annehmen und raten. Wobei die Treffsicherheit beim Vermuten wohl recht hoch sein dürfte. Dazu ist Twitter noch zu simpel.

  4. Sebastian (Handelskraft)

    Am 15. Juni 2009 um 16:08 Uhr

    @Falk Hedemann
    Danke. Das habe ich mir auch schon fast gedacht, allerdings wie bereits oben im Kommentar geschrieben, gab es vor drei Monaten noch nicht mal 200.000 Follower.

    Im Großen und Ganzen ist die Twitter-Struktur von Dell sehr intelligent und informativ.

  5. Stefan Nievelstein

    Am 14. Juli 2009 um 09:50 Uhr

    Auch ich denke, dass Twitter ein gewisses Potenzial hat. Ob man da wirklich von Umsatzsteigerung sprechen kann, bezweifele auch ich stark. Jedoch wie ganz richtig gesagt, kann es ein weiteres schnelle und günstiges Kommunikationstool sein, um neue Kontakte zu knüpfen. Und in diesem Umfeld wird es ja auch von einigen genutzt. Auch von mir.

    Aber ich denke auch, dass die Entwicklung in diese Richtung gerade erst begonnen hat. Mal sehen wohin sich Twitter noch entwickelt. Also ein erster wichtiger Schritt wäre wohl eine zielgerichtetere Suche. Zumindest eine, die Sprachen unterscheidet.

  6. Sebastian (Handelskraft)

    Am 14. Juli 2009 um 16:26 Uhr

    @Stefan Nievelstein
    Das erledigt Twitter-Search teilweise schon und auch BING reagiert mittlerweile auf die Entwicklung.

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