Digitale Transformation eines ganzen Landes: Chinas Kampf gegen die Wirtschaftsflaute

Verfasst am 10. Juni 2015 von .

Grafik:Suvcon

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Mit über 650 Millionen Internetnutzern ist China eines der Länder, die für die Zukunft noch einiges an Potenzial in Sachen E-Commerce zu bieten haben. Um dem abgeschwächten Wirtschaftswachstum entgegenzuwirken, stellte die chinesische Regierung ein Programm vor, das ländliche Gebiete mit Internet versorgen und traditionelle Industrien vernetzen soll.

Die Kampagne “Internet Plus” soll China also wieder auf Erfolgskurs bringen. Dass Unternehmen aus dem fernen Osten nicht zu unterschätzen sind, zeigt beispielsweise Alibaba. In China liegen aber auch Chancen für ausländische Unternehmen. So ist für Windeln.de die Volksrepublik der größte Markt, den sie bedienen. Gleichzeitig müssen Tech-Unternehmen auch mit Zensur und IP-Blockaden kämpfen. Schafft China trotzdem den Schritt zur Digital Nation?

Digitalisierung als Wirtschaftswundermittel

Um von einer “Krise” zu sprechen, ist es noch eindeutig zu früh, doch flaut die chinesische Wirtschaft schneller ab als erwartet: Zuletzt sanken im Mai Im- (17,6 Prozent) und Exporte (2,5 Prozent). Ein schwächelnder Immobilienmarkt sowie industrielle Überkapizität sollen daran schuld sein. Analysten sehen für die Zukunft einen weiteren Abwärtstrend der chinesischen Wirtschaft.

Während wir letzte Woche noch einen Abgesang auf die Dienstleistungsgesellschaft hielten, muss man in China einen Schritt zurückdenken. Eine Serviceorientierung, sprich einen stärker werdenden tertiären Sektor, sehen viele als ein Instrument, das dem Rückgang der Wirtschaft entgegenwirken kann. Dabei soll das Internet helfen, so zumindest der Plan.

“Internet Plus”

Konkret stellte Ministerpräsident Li Keqiang vor einigen Wochen die Kampagne “Internet Plus” vor. Diese soll Maßnahmen zur Verbindung verschiedener Bereiche, die auf das Internet angewiesen sind, beinhalten. Big Data, Cloud Computing oder das mobile Internet sind dabei zu nennen. Diese Bündelung soll zur Folge haben, dass das Außenbild des billig und schlecht produzierenden Chinas aufpoliert wird.

Man erwartet durch die digitale Transformation Innovationen, vor allem im E-Commerce. Die “Internet Plus”-Kampagne soll damit bestehende Industrien modernisieren, sowie zu innovativen Ideen junger Tech-Unternehmer führen. Profitieren dürften außerdem die chinesischen Big Player: Alibaba (E-Commerce), Tecent (Social Media) und Baidu (Suchmaschine und chinesischer Google-Konkurrent).

650 Millionen sind nicht genug!

Die chinesische Regierung will aber nicht nur die Anbieter aufpäppeln, sondern auch die Konsumenten. Zwar nutzten 2014 bereits 648,5 Millionen Chinesen das Internet, doch in einem der größten Länder der Welt haben vor allem Provinzen das Nachsehen. Das Internet soll dahingehend weiter ausgebaut und E-Commerce Unternehmen sollen dazu motiviert werden, auch in diese Märkte vorzustoßen.

Genau aus diesem Grund sind vor allem junge Unternehmen, die noch nicht über die logistische Leistung verfügen, komplett China zu bedienen, auf die “Internet Plus”-Kampagne angewiesen. Gleichzeitig ist die weitere Öffnung des chinesischen Markts eine Einladung für ausländische Unternehmen, in China zu investieren. Windeln.de macht das eindrucksvoll vor und kann das Land als seinen größten Markt bezeichnen. Auch B2B-Unternehmen sollten China als Wachstumschance sehen.

Internet-Kampagne trotz Zensur?

Paradox klingt ein Programm wie “Internet Plus” in einem Land, das vor allem negative Schlagzeilen durch Zensuren innerhalb des World Wide Webs macht. Vor allem Google weiß ein Lied davon zu singen. Unerwünschte Inhalte werden per IP-Blockade für chinesische Internetnutzer gesperrt. Dieses Verhalten hat dem Land schon viel Kritik eingebracht, vielleicht sorgt “Internet Plus” gleichzeitig zu einem Umdenken in der Zensur-Politik der chinesischen Regierung.

Nichtsdestotrotz gibt es für E-Commerce Unternehmen, seien es nationale oder internationale, viel Potenzial im chinesischen Markt. Ob man dabei ein Land unterstützt, welches gezielt Webseiten blockiert, ist eine Gewissensfrage. Doch sollten westliche Unternehmen in China so oder so andere Maßstäbe anwenden, da die Kultur, wie sie in Europa, U.S.A und anderen westlichen Staaten vorherrscht, nicht mit der chinesischen vergleichbar ist.

Die “Internet Plus”-Kampagne will nicht weniger als die digitale Transformation eines ganzen Landes. Wie das gelingen kann und ob die angepeilten Ziele erreichbar sind, wird sich erst noch zeigen müssen.

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Eine Reaktion zu “Digitale Transformation eines ganzen Landes: Chinas Kampf gegen die Wirtschaftsflaute”

  1. Ruth Barratt-Peacock

    Am 11. Juni 2015 um 12:52 Uhr

    Supporting China despite censorship? This is a bit rich coming from Germany, with its compulsory financial participation in ‘public’ TV, banned symbols, and its ‘Index’ of restricted content, which oh so fittingly includes the classic novel 1984. A difference of degree, yes. A difference in ideology? Maybe…

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