E-Food: Frische Ansätze sorgen für Mehrwert und Convenience [5 Lesetipps]

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Quelle: Pixabay

Heutzutage kann alles Vorstellbare im Internet gekauft und verkauft werden. Auch Lebensmittel. Auch sehr frisch. Trotz der wachsenden Tendenz, die sich in vielen Prognosen abzeichnet, scheint sich der Onlinehandel mit Lebensmitteln in Deutschland nicht endgültig durchzusetzen. Die logistischen Herausforderungen des Landes, das dichte Filialnetz sowie die mangelnde Bereitschaft der Kunden, frische Produkte aus der Ferne zu kaufen, lassen das Wachstum dieses Marktes stagnieren.

Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine Bewegung oder spannenden Ansätze gibt. Noch nie waren so viele Wettbewerber am Start, wie das bunte Panorama im Nachbarland Schweiz zeigt. Traditionelle Unternehmen und neue Online-Player bestehen nebeneinander. Wem gelingt hier der Durchbruch und welche Faktoren müssen Unternehmen beachten, um sich in diesem herausfordernden Markt zu behaupten?

E-Food-Markt – Quo vadis?

Wie die Grafik zeigt, wird sich der E-Food-Markt in den kommenden Jahren stetig, aber schwach entwickeln.

Quelle: Statista

Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland allerdings unterdurchschnittlich gut aufgestellt, was die Bereitschaft betrifft, Produkte online zu kaufen. Einer Konsumentenstudie der Unternehmensberatung A.T. Kearney zufolge haben zwar 60 Prozent der Bundesbürger bereits Lebensmittel online geordert – doch nur 18 Prozent kaufen regelmäßig auf diese Weise ein.

Die meisten Kunden erwarten von Internetdiensten Komfortvorteile: Lieferung bis zur Haustür, Zeitersparnis beim Einkauf sowie flexiblere Öffnungszeiten. Außerdem ist ein großes Sortiment einein Plus, insbesondere was spezielle Ernährungsformen wie glutenfrei, laktosefrei oder vegan angeht.

Es gibt aber auch große Barrieren, die die Akzeptanz dieses Geschäftsmodells behindern. Die Kunden wollen an frischen Produkten riechen, sie berühren und persönlich auswählen, bevor sie den Einkauf abschließen. Auch Lieferkosten stoßen teilweise auf Unverständnis, obwohl sie im Grunde genommen von Qualität zeugen. Darüber hinaus fehlt oft auch einfach die Möglichkeit, Lebensmittel online zu kaufen, obwohl viele Kunden dazu bereit wären. Nur in Großstädten oder Ballungszentren wie Berlin, München, Frankfurt, Hamburg oder Köln bestehen entsprechende Angebote. Die Wahrheit ist, dass es in Deutschland kaum Dienstleistungen gibt, die das gesamte Land versorgen könnten.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, müssen Produzenten und Händler versuchen, neue Wege zu finden, wenn sie im E-Foord-Markt Potenziale heben wollen.
Neben den führenden Online-Lieferdiensten REWE und Amazon Fresh gibt es auch einige neue Beispiele, die hier als Vorbild dienen können. Was diese Unternehmen anders machen, nehmen wir unter die Lupe.

E-Food – Frische als Differenzierung und Mehrwerttreiber

Eines der Hauptprobleme des Sektors ist vor allem der Transport und die Lieferung von frischen Lebensmitteln wie Fleisch oder Fisch. Da diese unter besonderen Bedingungen versandt werden müssen, sind höhere Kosten die Folge. Außerdem fordert der Kunde zunehmend mehr Details über die Herkunft der Lebensmittel und deren Behandlung vor dem Kauf. Transparenz und Vertrauensbildung sind daher unerlässlich. Wie kann dafür eine profitable Formel erreicht werden?

In der Schweiz bietet der landesweit tätige Online-Supermarkt Farmy.ch frische Produkte direkt von Bauernhöfen und Produktionszentren an. Die Bauern erhalten die Bestellung, bearbeiten sie über Nacht und am nächsten Morgen wird sie an ihren Bestimmungsort verschickt.

Der Kunde kann zwischen lokalen, regionalen und überregionalen Produkten, Entfernung oder CO2-Ausstoß wählen. Auf jeder Produktseite gibt es auch konkrete Informationen über den Betrieb oder den Produzenten hinter den Lebensmitteln, um Vertrauen zu schaffen. Bio und frische Angebote machen Farmy in diesem Zusammenhang stark.

E-Food – Convenience für stärkere Kundenbindung

Aber nicht nur durch Frische und Nachhaltigkeit der Produkte kann sich ein Supermarkt differenzieren. Bequemlichkeit und Komfort des Einkaufserlebnisses, einer der Gründe, warum Verbraucher das Online-Medium präferieren, kann der zentrale Dreh- und Angelpunkt sein, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Dafür müssen die Hauptprobleme in Bezug auf den Onlinehandel mit Lebensmitteln identifiziert und gelöst werden:

PERSONALISIERUNG

Das Angebot ist trotz vielfältiger Filter sehr standardisiert. Was kann ich tun, um den Kauf individueller zu gestalten?

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Screenshot: coop@home
Der Online-Lieferservice des Schweizer Supermarkts coop, coop@home, setzt auf Personalisierung, um Kunden zu binden. So können sie beispielsweise bei Stückfleisch Gewicht, Dicke und Marinade auswählen, um das Produkt ihren Wünschen entsprechend anzupassen.

MOBILE-COMMERCE
Es gibt mittlerweile viele potenzielle Kunden, die mobileaffin sind und lieber unterwegs einkaufen. Wie kann ich für den mobilen Kunden attraktiv und sichtbar werden?

Sowohl das niederländische Start-up Picnic und als auch der mobile Supermarkt MIACAR des Schweizer Einzelhändlers Migros bieten keine Desktoplösung mehr an. Der komplette Einkaufsprozess verläuft via App. Beide punkten auch durch ihre hervorragenden Lieferbedingungen, die für Kunden ein komfortables und sorgloses Einkaufserlebnis schaffen.

LETZTE MEILE

Versandkosten und große Zeitfenster bei der Lieferung sind für den Durchschnittskunden nicht optimal. Wie kann ich die Versandbedingungen verbessern?

Picnic ist einer der wenigen Online-Supermärkte, die kostenfreie Lieferungen anbieten. MIACAR verspricht ultraschnelle Lieferung innerhalb von 20 Minuten. Beide teilen mit den Nutzern minutengenau die Location des Paketboten, damit sie wissen, wann die Bestellung vor der Tür zugestellt wird.

Auch spezialisierte Lieferdienste erreichen die Kunden mit Services: Das Getränkeportal Flaschenpost liefert Getränke nicht nur kostenfrei innerhalb von zwei Stunden, sondern nimmt auch Leergut mit und verrechnet den Pfandbetrag noch vor Ort mit der neuen Bestellung. Voraussetzung für die Lieferung ist jedoch das Erreichen des Mindestbestellwerts, der je nach Postleitzahlgebiet variiert.

Beispiele wie Farmy, Flaschenpost, MIACAR, Picnic und coop@home zeigen, dass es durchaus spannende Lösungen gibt, Kunden den Onlinekauf von Lebensmitteln schmackhaft zu machen. Um hier erfolgreich zu sein, ist es in erster Linie notwendig, die Kunden verstehen und ihre Bauchschmerzen beim Lebensmittelkauf im Internet zu identifizieren. Mit den richtigen Technologien und Ansätzen können Best Practices entwickelt werden, die mit Kundenorientierung und Services dafür sorgen, dass das Wachstum des E-Food-Markts endlich Fahrt aufnimmt.

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2 Reaktionen zu “E-Food: Frische Ansätze sorgen für Mehrwert und Convenience [5 Lesetipps]”

  1. Spannendes Thema 🙂

    Aber “Darüber hinaus fehlt oft auch einfach die Möglichkeit, Lebensmittel online zu kaufen, obwohl viele Kunden dazu bereit wären. Nur in Großstädten oder Ballungszentren wie Berlin, München, Frankfurt, Hamburg oder Köln bestehen entsprechende Angebote.” stimmt nicht ganz. Wir lassen uns seit geraumer Zeit unsere Biokiste nach Hause liefern – online bestellt. Und zwar hier von einem regionalen Anbieter. Dabei hat man gratis dazu ein sehr nostalgisches Shopping Erlebnis ;-). Außerdem erfolgt die Lieferung nur einmal pro Woche. Das macht aber nix, den großen Wocheneinkauf macht man ja meist auch nur einmal pro Woche. Und ich finde das reicht auch vollkommen aus. Klar, wäre es schön, wenn der Shop mal ein Facelift erhalten würde… Und auch der Lagerbestand ist nicht online einsehbar etc. Aber es ist dennoch unkompliziert, freundlich und regional. Und eben online – immerhin. Muss ja nicht immer fancy sein 😉

    Ach ja, wollt ihr wissen, wer der Anbieter ist? Schaut mal nach der Biokiste vom Buffet OK 🙂

    Herzliche Grüße!

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