Smart Fashion – Kleidest du dich noch oder optimierst du dich schon?

Smart Fashion gewinnt an Relevanz
Quelle: pexels

Superhelden tragen selten ausgebuffte Jeans und Sneaker – es sei denn zur Tarnung ihrer Spezialfähigkeiten. Nein, im Superhelden-Einsatz tragen sie selbstverständlich Superanzüge. Anzüge, mit denen sie fliegen können. Anzüge, in denen sie besonders geschützt sind.

Die Idee, sich nicht nur mit Fasern, sondern auch mit integrierter Technologie zu schützen und zu optimieren, ist aber mitnichten Science-Fiction. Schon länger spielt Smart Fashion eine immer wichtigere Rolle in der riesigen Branche. Das kann sowohl Superhelden als auch Superdeppen betreffen, denn: Smarte Kleidung kann Leben retten. Sie kann Situationen in Computerspielen noch realistischer werden lassen. Sie kann aber auch empirisch belegen, wie oft Frauen in Nachtclubs gegen ihren Willen betatscht werden.

Smart Fashion – Der Po als Rechenkünstler

Vor etwa einem Jahr ging ein Video viral, das Nachtclubszenen aus Sao Paolo zeigte. Drei verschiedene Frauen trugen an drei verschiedenen Abenden dasselbe hochgeschlossene schwarze Kleid aus leicht glitzerndem Stoff. Pling, pling, pling. Das Kleid protokollierte in Echtzeit, wann seine Trägerin gegen ihren Willen angefasst wurde und wohin die Hände wanderten. Denn im Stoff waren überall Sensoren integriert. Die ernüchternde Bilanz: Fast 50 Mal pro Stunde wird eine Frau, die ausgeht, von fremden Männern angegangen; in Sao Paolos Clubs scheint keine normale Unterhaltung möglich, ohne, dass gleich die Hand um Taille oder Po gelegt wird – nichtsahnend, dass diese Berührung zum Anti-Diskriminierungs-Datensatz werden würde.

Nun mag die Situation in südamerikanischen Clubs unangenehmer sein als in skandinavischen, doch das Projekt unter Sponsorship des Limonadenherstellers Schweppes ist mehr als eine gelungene Marketingkampagne im Zeitalter der #MeToo-Debatte. Die Kampagne zeigt, was technisch längst mit relativ geringem Aufwand möglich ist und sie gibt einen Eindruck davon, wie sich unsere Kleidung unsichtbar zu IoT-Objekten wandelt.

Smart Fashion – Kleidungsstücke als Notfallassistenten

Apropos, IoT-Objekte: In Krankenhäusern und Altersheimen sind Notfallknöpfe weit verbreitet, sie sind noch nicht mit dem Internet verbunden. Patienten drücken den Knopf für das Pflegepersonal neben ihrem Bett so, wie sie im Bus drücken, wenn sie einen Haltewunsch haben. Doch auch viele pflegebedürfte Senioren tragen ihren Notfallknopf an einer Kordel um den Hals wie ein silbernes Familien-Medaillon. Diese sind mit dem Router verbunden. Was aber, wenn man an einer Krankheit wie Demenz leidet? Also im Zweifel gar nicht selbst ermessen kann, wann es sich um eine Notfallsituation handelt, in der zu drücken ist? Dann kann das die eigene Kleidung übernehmen.

Die deutsche Mode-Forscherin Julia Danckwerth etwa arbeitet an smarten Add-ons, die in die gewohnte und geschätzte Kleidung von Demenzkranken integriert, aber auch wieder entfernt werden können. Im Zweifel rufen sie den Notarzt selbstständig zur rechten Zeit, aber auch die Verständigung mit pflegenden Angehörigen, eine Sturzerkennung und eine Ortung sollen integriert werden. Danckwerth hat in den letzten Jahren viele Förderpreise für ihr Projekt bekommen. Erste Prototypen sind für das Jahr 2021 zu erwarten.

Smart Fashion: Pneumatische Kleidung für besondere virtuelle Erfahrungen

Tragbare Technologie spielt nicht nur eine Rolle, um Daten in Alltagssituationen zu sammeln und so quantifizierbar zu machen, wann es Männern an Respekt und Demenzpatienten an Hilfe mangelt. Vor allem ist ein Markt in der Freizeitgestaltung entstanden – er reicht vom smarten Wearable im Sportbereich über die Outdoor- bis hin zur Computerspielindustrie.

Gerade Computerspiele sind heute nicht mehr ohne Virtual Reality-Elemente zu denken. Hier wurden bisher vor allem der Seh- und Hörsinn angesprochen: Brille auf und ab auf’s Schlachtfeld! Teilnehmende sehen das Elend, sie hören es ballern und röcheln. Aber sie die Detonationen in solchen VR-Spielen nicht am eigenen Leibe – noch nicht.

Smart Fashion: Digitalisierung (fast) aller Sinne

Um das zu ändern, wird an pneumatischen Kleidungsstücken getüftelt. Bereits 2015 hat das US-Unternehmen Haptx einen Handschuh vorgestellt, der haptische Impulse an seinen Träger sendet. Ähnlich Disney: Der Unterhaltungsriese arbeitet an einem pneumatischen Anzug. Ob man bei einer virtuellen Waffe abdrückt oder eine virtuelle Katze streichelt, ob man in die Druckluftwelle einer Explosion gerät oder hinter Mogli im Dschungel herrennt und Pflanzen streift: Mithilfe der entsprechenden Mechanik und bestimmter Druckluftkammern lassen die smarten Wearables die User das virtuell Erlebte auch spüren, nicht nur sehen und hören. Aber auch zu Ausbildungszwecken können solch smarte Kleidungsgegenstände mehr als sinnvoll sein – die Nutzung ist wie bei so Vielem aus der VR-Industrie also längst nicht auf den Spielesektor begrenzt.

Nur der Geruchs- und Geschmackssinn bleiben bei diesen Entwicklungen noch außen vor: Das smarte Kleid von Schweppes kann Übergriffe registrieren, es kann aber nicht auslösen, dass der Gin Tonic des Machos ad hoc nach Essig schmeckt. Und Computerspiele, die den Krieg simulieren, können noch nicht den Geruch von Schutt und Verwesung rekapitulieren. Das würde dann womöglich auch dem Geschäft schaden – aber für virtuelle Reisen ans Meer könnte die Einbindung dieses Sinnes faszinierend sein.

Smart Fashion: Ein Strasssteinchen im Innovations-Mosaik

Seid ihr neugierig geworden auf die Trends der Zukunft? In unserem großen Trendbuch 2019 haben wir jeder Menge Tendenzen der digitalen Transformation nachgespürt. Die Publikation steht hier zum Download für Interessierte bereit!

Ihr wollt keine Digital-News mehr verpassen? Dann meldet euch doch für den Handelskraft-WhatsApp-Newsletter an und erhaltet spannende Neuigkeiten direkt auf das Smartphone.

(15 Bewertung(en), Schnitt: 5,00 von 5)
post ratings loaderLoading...

Schreibe einen Kommentar