Knapp einen Monat nachdem der deutsche Liveshopping-Pionier Schutzgeld.de seinen Betrieb aufgegeben hat, konnte man alles andere als von einkehrender Ruhe sprechen. Schutzgeld.de-Pate Peter Faisst lies es sich nicht nehmen, seinen Abschied mit einigen Bemerkungen zum Konzept der Liveshopping-Portale zu zelebrieren.
Nach knapp zwei Jahren hat man das individuelle Projekt des Paten und seiner Gang offiziell wegen einkehrender Langeweile geschlossen, wobei es kein Geheimnis ist, dass es an der Unwirtschaftlichkeit gelegen hat. Das Konzept des Liveshoppings ist, laut Faisst, durchaus ein tragfähiges Geschäftsmodell, das jedoch ohne spezielles Umfeld und etablierter Händler wenig Chancen hat. So weit so gut. Was sich Faisst allerdings bei der Aussage gedacht hat, der Markt für Liveshopping umfasse lediglich 30.000 bis 50.000 Mitglieder und wäre damit zu klein für Stand-alone-Anbieter, bleibt ein Rätsel. Diese Zahl würde sich auf sämtlichen Plattformen verteilen und kombiniert mit dem Vertrieb von margenknappen Elektronikartikeln einen Markt, der betriebswirtschaftlich einfach zu klein sei.
Faisst ließ es sich auch nicht nehmen, für einen persönlichen Befreiungsschlag auszuteilen. In der Internet World Business bezeichnete der gefallene Pate die Aussage von Preisbock, nach 16 Monaten den Break-even erreicht zu haben und damit als erstes Liveshopping-Portal auf dem deutschen Markt profitabel geworden zu sein, als eine „kaufmännisch alberne Aussage”. Und weil das Messer noch nicht tief genug steckte, gab es noch einen Nachschlag:
„Die Jungs sitzen ja im Intershop-Tower. Da ist es vielleicht eine tolle Message, wenn man mal eine Woche profitabel arbeitet.”
Nachdem der Vorhang für Schutzgeld.de fiel, hätte man einen professionellen Abgang hinlegen können, schade, dass der Pate sich zu solchen Aussagen hinreißen ließ. In der aktuellen Ausgabe der Internet World Business (25/08) wehrt sich Preisbock.de-Gründer Christian Grötsch mit einem offenen Brief an den Paten gegen die Vorwürfe.
Vor allem die Reaktion des Preisbock-Geschäftsführers auf die mehr als fragwürdige Annahme, der deutsche Liveshopping-Markt umfasse nur 30.000 bis 50.000 Benutzer, ist nachvollziehbar und bringt mehr Profil in die Antwort auf so eine Frage. Dem schließt sich auch E-Commerce-Experte Jochen Krisch an, der genau wie Christian Grötsch die Aussage Faissts korrigiert.
Und das in einem wesentlich professionelleren Ton, als der Schutzgeld-Pate.
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