Monatsarchiv für März 2009

Dieter Althaus kopiert Obamas Webpräsenz

Verfasst am 18. März 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Manchmal hat man das Gefühl, dass sich einige Menschen nicht im Geringsten für eine Sache interessieren, sie aber dennoch benutzen, weil das ja in ist. Und genau so verhalten die sich auch: unangenehm bis peinlich.

Also sucht man sich ein erfolgreiches Vorbild heraus und macht es ihm nach ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass das, was „in” ist, so komplex und vernetzt ist, dass jeder alles herausfinden kann. Übrig bleibt in diesem Fall eine ältere Person, die einer jüngeren erzählt, was „hip” ist, weil man das in einer Zeitung gelesen hat.

Und solche Leute benutzen auch genau solche Wörter wie „hip”.

Ich frage mich allen Ernstes, wieso der web-2.0ige Internetauftritt des Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus so dermaßen ungeschickt der Webpräsenz von US-Präsident Barack Obama ähnelt, dass man eine zufällige Ähnlichkeit ausschließen kann und von Nachahmung bzw. Kopieren sprechen muss?

Ach ja, da steht ja bald was an, nicht wahr?

Althaus:
althaus

Obama:
obama

Und schauen wir uns noch mal Obamas Webpräsenz zu Wahlkampfzeiten an, wird es völlig deutlich:
obama2

Deutsche Politiker scheinen den Drang zu haben, den amerikanischen Traum zum deutschen Traum zu machen. Und das ist so peinlich und traurig, dass ich dazu gar nichts mehr sagen kann. Twitternde Politiker, da sage ich lieber nichts gegen. Aber wer bitte glaubt Barack Althaus? Die “Internetgemeinde”, wie Althaus vielleicht sagen würde, tut es nicht.

(Toller Tipp, gefunden bei shoppingzweinull)

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Siftables: Visual-Media-Blöcke, die denken können

Verfasst am 17. März 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Gerade was die Interaktion mit visuellen Medien angeht, ist man im Web gedanklich schon weiter als bei derzeitigen Innovationen. Neue menschliche Computer-Schnittstellen werden fingerleckend erwartet und so kann ich hier nun ein Fundstück zeigen, das diesen Effekt bei mir ausgelöst hat: Ein innovativ spielerischer Mini-Computer namens „Siftables“.
Eigentlich sind es ja computerorientierte Visual-Media-Blöcke, die miteinander und untereinander interagieren. Ich bin sprachlos, aber seht selbst:

Siftables, Spielzeug-Blöcke, die denken können

(hier gefunden)

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Die virtuelle Einkaufsmeile von MyLane

Verfasst am 17. März 2009 von Sebastian (Handelskraft).

MyLane soll die Fußgängerzone ins Internet hieven. Eine virtuelle Einkaufsmeile im Stil von SimCity. An sich ist diese Idee wirklich großartig, weil vor allem kleinen Händlern, die sich den Einstieg in den Online-Handel nicht trauen, hier eine Möglichkeit dazu geboten wird.
Hierzu können Kunden auf einer grafischen Oberfläche durch die Einkaufsmeile im wahrsten Sinne des Wortes bummeln.

meile
Für Händler ist vor allem die wirklich einfache Bedienung attraktiv. Ein simples unkompliziertes und verdammt günstiges (weil gratis) Interface. Händler ohne Onlineshop können hier schnell mit wenigen Klicks einen Shop eröffnen. Und die Shopseiten sehen zwar minimalistisch aus, haben aber eine gute Usability und sind leicht erschließbar. Mit mehr Funktionen wären diese durchaus interessanter.

Nicht in Ordnung ist das Feld der Passwort-Eingabe, das unverschlüsselt angezeigt wird.

Keine Einrichtungsgebühren, keine monatlichen Zusatzkosten und keine Mindestlaufzeiten. Und Geld verdient der Anbieter damit, dass er 5% der ersten 1.000 Euro Umsatz einsackt und sich Provisionen für die Umsätze allgemein auszahlen lässt. Ist in Ordnung so.

Was aber überhaupt nicht geht, ist der optische Aspekt. Die virtuelle Einkaufsmeile sieht furchtbar aus, schlimmer als SimCity, und ohne den Kultfaktor. Ich möchte sogar so weit gehen, unabhängig von der wirklich guten Idee, und sagen, dass man sich dank der Optik auch MyLAME hätte nennen können. So werden sich in dem eh schon umkämpften Segment der Online-Einstiegshilfe nur wenige durchsetzen. MyLane wird dazu nicht gehören, wenn man weiterhin so aussieht. Dann werden kaum Plätze „vermietet” sein und wenn doch, dann wird es Tante Omas Marmeladenladen sein, für den sich niemand interessiert.

Gerade Visual Shopping und Produktpräsentationen, mehr noch Shoppräsentationen spielen eine große Rolle beim Aufenthalt. Im Internet ist schnell was weggeklickt, Alternativen sind schneller erreichbar.

Vom Aufbau und von der Gestaltung gefällt mir da Pixeltown ganz gut:

pixeltown

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Mister Wong wird eigenständige GmbH

Verfasst am 16. März 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Der Social-Bookmark-Dienstleister Mister Wong, Zögling der Werbe- und Onlineagentur construktiv/trafficmaxx, wird laut Pressemitteilung zu einer eigenständigen GmbH.

das-neue-mister-wong-logo

Nach drei Jahren gehört der Service heute, laut eigener Aussage, zu den am besten vernetzten Websites im deutschsprachigen Raum (> 100 Millionen eingehender Links), ist unter den 40 beliebtesten Websites in Deutschland und wird monatlich von mehr als 2,55 Millionen Menschen genutzt.

Der Geschäftsführer Kai Tietjen, ebenfalls Inhaber von construktiv, kommentiert diesen Schritt folgendermaßen:

Aus einem Projekt ist ein Portal entstanden, welches die Größe und den Reifegrad besitzt nun auch eigenständig am Markt zu bestehen. Mister Wong schreibt schwarze Zahlen, hat ein gutes Team an Mitarbeitern, welches sich ständig um die Weiterentwicklung und die Kommunikation der Marke kümmert.

Es folgen schon bald ein technischer Relaunch, der weitere („interessante”) Funktionen bereit stellen wird, sowie eine Ausweitung des Angebots. Was das heißt, können wir uns schon denken: Social Media.

Ich habe mich schon letztes Jahr im Oktober gefragt, wann Mister Wong auf den mittlerweile schon völlig überladenen Social Media-Zug aufspringen wird. Mister Wong soll mal bei der Deutschen Bahn anrufen und Bescheid sagen, dass man zu spät kommt. Wäre lustig.

Wir gratulieren dennoch zu dieser Entscheidung und zu dieser anscheinend positiven Entwicklung.

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AOL startet Social Community Bebo nun auch in Deutschland

Verfasst am 16. März 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Time Warner hatte zu Beginn 2008 für Bebo knapp 850 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt. Eine astronomische Summe. Damals konnte man noch auf 40 Millionen Nutzer blicken.

bebo
AOL gibt an, dass das bisher englischsprachige Portal (UK, USA, Kanada, Irland, Australien, …) 22 Millionen Nutzer hat und seinen Schwerpunkt auf den Austausch und Nutzen von Unterhaltungsangeboten legt: u.a. Youtube, Flickr und Film-Angebote (Preview Networks).

Neben Deutschland, läuft das Portal heute auch in den Niederlanden, Italien, Frankreich und Spanien an und hat dafür, mittels AOL, Kooperationen mit lokalen Mediendiensten in den einzelnen Ländern geschlossen. Da die Konkurrenz mit MySpace und Facebook ja nicht gerade leichtgewichtig ist und 850 Millionen Dollar auch erstmal psychologisch überwunden werden müssen, stellt sich die Frage: Warum unbedingt Bebo?

Die Besonderheit ist wohl die, das sich die User auf Bebo über bestehende Netzwerke hinweg vernetzen können. MySpace- Facebook-Nutzer können so miteinander in Kontakt treten, ohne bei dem jeweils anderen Netzwerk angemeldet sein zu müssen. Das und die vielen Content-Partner (Video-Portal AlloCiné, Yalp, Clipfish (RTL), Diagonal View, Preview Networks), die Medieninhalte bereit stellen, ergeben dann doch eine ganz nette Idee.

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Alles Gute zum Geburtstag, liebes Internet

Verfasst am 15. März 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Das Internet, beziehungsweise das World Wide Web (das eigentliche Geburtstagskind), wurde am 13. März 1989 von einem Menschen namens (Sir) Timothy John Berners-Lee auf die Welt gebracht und feiert demnach seinen 20. Geburtstag. Handelskraft wünscht nachträglich alles Gute. Bleib nicht so wie du bist. Viel Gesundheit und alles, was du uns wünscht.

Ich habe auch ein fantastisches Video vom Museum of Media History gefunden, welches das Leben des Internets, der großen Akteure darin und die Zukunftsausblicke schön zusammenfasst. Wirklich toll:

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Amoklauf auf Twitter

Verfasst am 13. März 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Twitter hat mit dem schrecklichen Vorfall in Winnenden einen medialen Gau ausgelöst und sich damit mit einem Quantensprung in einen Diskurs über Pietät und Medienwirkung hineinkatapultiert.
Was in Winnenden passiert ist, lässt sich kaum in Worte fassen und vermutlich ist es genau dieser Umstand, der vielen Menschen und Journalisten nun so bitter aufstößt. Twitter bedeutet schnelle Worte zu finden. Einer spricht vom Hudson River-Effekt und prangert die Einläutung der medialen Abstumpfung ein, teilweise nicht ungerechtfertigt.

twitter-over-capacity-kopie
Die klassischen Medien haben es versäumt richtig zu reagieren. Das ist so, weil Twitter live ist. Aus dem Bedürfnis heraus schnell und live auf Ereignisse zu reagieren, sind diesen Medien nun gewaltige Fehler unterlaufen, siehe hier und hier.

In diesem Theaterstück, das nun zunehmend grotesk wird, steht jedoch eine Frage im Raum, die schwer zu beantworten bleibt: Welchen Einfluss hat Twitter auf unser Werteverständnis?

Twitter hat sich neben seiner Funktion als offenes Short-Message-Instrument seinen Weg aus dem Web-2.0 gebahnt und ersetzt nun den Paparazzi. Diesen Umstand gilt es in der Tat zu kritisieren. Aber dennoch ist es wichtig richtig zu kritisieren. Stefan Niggemeier hat mich mit seiner Einschätzung und seiner Meinung dazu in Großem Maße enttäuscht. Ein gestandener Medienjournalist ist nicht wirklich in der Lage seine Einschätzungen so zu formulieren, dass sie nicht wie ein Moral-Plädoyer herüberkommen. Dass er Gefahren sieht, ist ja das Mindeste, was man erwarten kann.

Aber woher kommt der Trugschluss, dass es bereits Institutionen geben soll, die Twitter angemessen einsetzen? Selbst Professionelle haben dieses Instrument gerade erst entdeckt und in welcher Form jetzt abzuschätzen, wie man sich vor einer virtuellen Masse zu präsentieren hat, insbesondere die Art und Weise seine Arbeit zu dokumentieren, kann doch keiner zu so einen Zeitpunkt sagen.

Twitter – eine unprofessionelle BlaBla-Presseagentur? Weil sich ein paar wichtige Formate und Sender auf diesem Kanal bewegt haben…

Wenn man schon von Pietätlosigkeit im Falle des Amoklaufs von Winnenden zu sprechen wünscht, dann sollte man wohl nicht vergessen, dass Twitter Twitter bleibt und dass ein Diskurs über die Einsetzung dessen überflüssig bleibt.

Davon hat keiner was. Weder die Toten, noch die Medienjournalisten.

Eins sei noch gesagt: Medienjournalisten sollten sich sehr genau darüber im Klaren werden, wie man über dieses Microblogging-Dienst zu denken hat, mehr noch: wie man mit ihm umzugehen hat. Denn – und das wird jeder Journalist und Gaffer im Netz prompt unterschreiben – in der virtuellen Welt, die sich der Echtzeit annimmt, ist Aufmerksamkeit die einzige Währung von Bedeutung.

Dieser Fall und dieses Instrument ist eine journalistische Sollbruchstelle.

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