Social-TV-Startups kranken auch an Fehleinschätzung des Second Screen-Trends

Verfasst am 9. Juli 2014 von .

Seit etwa zwei Jahren wird viel über das Thema Second Screen diskutiert, was wohl einer der Gründe ist, warum das TV-Werbebudget vieler Pure-Player aktuell explodiert. Smartphone, Laptop oder Tablet parallel zum TV zu nutzen, ist heute selbstverständlich.

Nun wurde bekannt, dass gleich zwei Berliner Social-TV-Startups, TunedIn und Zapitano, Insolvenz anmelden. Wie passt das zueinander?

»Der Second-Screen-Markt hat sich nicht so entwickelt wie wir geplant hatten.«

Kommentar der Axel Springer zum TunedIn-Aus

Auf Gründerszene wird analysiert, dass viele Sendungen nicht geeignet seien. Insbesondere Großereignisse und Livesendungen wie die aktuell laufende Fußball Weltmeisterschaft seien optimal, da sich die Menschen dazu austauschen möchten. Dagegen sind beispielsweise Wiederholungen beliebter Serien wenig geeignet.

»First Screen« ist, was gerade am meisten interessiert

Ein weiterer Grund liegt darin, dass das, was sich auf den Geräten abspielt, selten etwas miteinander zu tun hat. Das Smartphone wird nur dann zum »Second Screen« bzw. zum ergänzenden Kanal zum TV, wenn dort gerade etwas Interessantes passiert und der Zuschauer etwas dazu recherchieren oder kommentieren möchte.

Laut der Studie “Catch me if you can” widmen sich die Zuschauer ansonsten ihren E-Mails (83 Prozent), danach folgen Suche (72 Prozent) und Nachrichten (71 Prozent). Die Aufmerksamkeit wechselt bei 87 Prozent stetig zwischen den Bildschirmen, aufgrund von Langeweile, neuen Nachrichten oder Werbepausen. Bereits vor einem Jahr hatten wir darauf hingewiesen (Studie zu Second Screen: Weit weniger Interaktion als gedacht), dass Second Screen-Konzepte und Geschäftsmodelle dementsprechend angepasst werden müssen.

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5 Reaktionen zu “Social-TV-Startups kranken auch an Fehleinschätzung des Second Screen-Trends”

  1. Christian Grötsch

    Am 9. Juli 2014 um 16:26 Uhr

    Hi Conny,
    ich möchte noch anmerken das das in unserem Artikel vor zwei Jahren erwähnte SecondScreen Startup Couchfunk pünktlich zur WM eine überaus brauchbare zigtausendfach gedownloadete und fast 700 Mal bewertete WM App herausgebracht hat, die auch öffentlich rechtliche Live streamen kann und voll in die Couchfunk Plattform integriert ist.
    O-Ton auf Xing:
    “Mit über 600.000 Downloads von Couchfunk Apps und mehr als 250.000 aktiven Nutzern pro Monat bietet der Service zudem ein hochwertiges Umfeld für verlängerte & synchronisierte Werbung.”

    Gut, die Firma verdient offenbar mit In-App Käufen, In-App Werbung und Social TV Auftragsentwicklungen, aber unerfolgreich scheint mir das nicht zu sein. Da ich mit Gründer Uz Kretzschmar vor ziemlich genau 10 Jahren in Jena Internet Business Engineering studiert habe, könnte man sogar sagen das eines der wenigen erfolgreichen Social TV Startups seine Wurzeln in Jena hat. 😉

  2. Cornelia Weiß

    Am 9. Juli 2014 um 16:30 Uhr

    Ich sehe Couchfunk auch als positives Beispiel, nicht umsonst sind sie im Trendbuch 2013 zu finden, um mal die (Eigen-)Promotion perfekt zu machen 😉

    Schließlich haben sie ihr Geschäftsmodell entsprechend ausgeweitet und nutzen Großereignisse wie die WM geschickt für sich. Hier wird nicht nur darauf gesetzt, dass sich Leute austauschen möchten, was sie auf Twitter und Facebook ohnehin tun können.

  3. Christian Grötsch

    Am 9. Juli 2014 um 16:34 Uhr

    Ich hab das Gefühl das Gründerszene fast nur Berlin zentriert berichtet, was nicht in Berlin ist existiert nicht. Haben die Social TV Gründungen in Berlin Probleme ist gleich die ganze Branche unerfolgreich. Man sollte auch mal sehen was so in Dresden (z.B. couchfunk), Jena (z.B. http://www.skatedeluxe.de), Stuttgart oder München passiert….

  4. Cornelia Weiß

    Am 9. Juli 2014 um 16:37 Uhr

    Wenn noch ein paar mehr Insolvenz-Wellen wie in dieser Woche durch Berlin ziehen, müssen sie ihre Fühler bald zwangsläufig ausstrecken 😉

  5. Roland Weinzierl

    Am 10. Juli 2014 um 16:13 Uhr

    Sämtliche vom linearen TV abhängigen Geschäftsmodelle werden in Zukunft in Schwierigkeiten kommen. Man sollte Second Screen aber nicht auf Social TV Angebote reduzieren. Das heute “Second Screen” genannte Nutzungsverhalten gab es schon vor Einführung des Buzzwords und wird es wohl noch so lange geben, wie Menschen Filme auf einem großen Bildschirm sehen wollen. Meines Erachtens ist es auch nicht immer Langeweile, die Nutzer auf den Second Screen treibt, sondern oft impulsgetriebene Neugierde – oder schlicht Gewohnheit. Ich sehe derzeit (!) keine Gefahr, dass das mobile Zweitgerät durch den einen ultimativen Screen ersetzt wird. Ich denke eher, mit Amazons Firefly stehen wir gerade erst am Anfang einer großen Veränderung.

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