Produktfälschungen und Intransparenz bei Amazon – Scheitert der Marketplace?

Verfasst am 28. Juli 2016 von .

Quelle: dpa

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Kein anderer Name ist so eng mit dem Konzept des interaktiven Versandhandels verknüpft, wie Amazon. Wäre der Begriff „Amazonen“ nicht schon an die, angeblich brustlos in den Kampf ziehenden, Kriegerinnen der griechischen Mythologie vergeben, hätte er vermutlich onlineshoppen gleichsam ersetzt, wie „googlen“ das Suchen im Internet.
 
Dennoch, der Internetgigant, der das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt sein will, ist nicht perfekt. Jüngstes Beispiel ist der Rückzug der Marke Birkenstock von der US-Amazon Plattform ab 2017, wegen der hohen Zahl an Fälschungen auf Amazons Marketplace. Doch Plagiate sind nicht das einzige Problem, das Amazons Marktplatz wanken lässt.

Mit großer Macht kommt große Verantwortung.

Die Entwicklung Amazons vom Pure-Player mit ausschließlich eigenem Produktsortiment, hin zum Generalisten, der durch seinen Marketplace jederzeit, überall jedes Produkt verfügbar macht, ergibt zunächst für alle Beteiligten Sinn. Käufer, Händler sowie Hersteller und klar: Amazon selbst.

Amazon ist als Produktsuchmaschine beliebter als Google. Für Kunden ist es daher bequem, gewünschte Produkte auch direkt kaufen zu können ohne die Plattform oder den Shop zu wechseln. Händler und Hersteller lockt die breite Kundenbasis mit der Option auf internationales Geschäft ohne großes Risiko. Amazon selbst verdient an der Vermittlung und steigert seine Marktmacht. Soweit die Theorie.

Verkommt Amazons Marketplace zu einem zweiten eBay?

In der Praxis ist die Händler-Kunde-Amazon-Beziehung nicht immer so harmonisch. Die Menge an Produkten, täglichen Transaktionen, internationalen Kunden und Anbietern, die jeweils nach dem kleinsten Preis oder dem höchsten Gewinn suchen, öffnet die Tore für dubiose Geschäfte, minderwertige Waren und Produktfälschungen. Billige Kopien von Bremsscheiben und Handy-Akkus, das verband man sonst mit eBay. Doch gerade im Fashion-Bereich und bei Parfums ist die Fälschungsquote bei Amazon hoch, wie wir in einem unser meistgelesenen Artikel bereits gezeigt haben. Ein Rat: Augen auf, beim Onlinekauf!

Sicher ist es ratsam als Kunde mit Verstand online zu shoppen. Lassen die Produktbewertungen ein Plagiat erwarten? Ist der Preis auffällig niedrig? Woher kommt der Anbieter? Es ist allerdings zu leicht, die Verantwortung allein zum Kunden zu schieben. Miserable Produktdaten müssen beispielsweise kein Zeichen für schlechte Ware sein, erschweren dem Kunden aber die Bewertung der Seriosität des Händlers. Als Branchenkenner fragt man sich zwar, warum der Händler nichts dagegen unternimmt, belohnt Amazon doch hochwertige Produktdaten mit besserem Ranking. Als Durchschnittskäufer fühlt man sich aber wie bei eBay, mit dem Unterschied, dass die miserable Beschreibung weder quietschbunt noch in Comic Sans geschrieben ist.

Ökosystem Amazon – Warum man sich Intransparenz gefallen lässt

Warum macht man das mit? Weshalb kauft man Produkte nicht ganz sicher fälschungsfrei im modernen Onlineshop des Herstellers? Weil Amazon ein Ökosystem mit hervorragendem Kundenservice ist! Gefälschte Ware – nimmt Amazon anstandslos zurück. Dasselbe gilt für gewöhnlich auch für Originalware. Zusätzlich ist in den letzten Jahren mit Amazon Prime, Music, Instant Video, Fresh, Echo, Dash ein Ökosystem entstanden, das für weit mehr, als nur onlineshoppen steht. Amazon hat verändert wie wir konsumieren!

Amazon ist außerdem Logistik-Motor und setzt mit der Einführung bequemer Endkunden-Angebote wie Same-Day oder Same-Hour-Delivery sowie einer eigenen Logistik Maßstäbe für die gesamte Branche. Doch Amazon könnte gerade beim Thema Logistiktransparenz noch Gas geben. Das gilt umso mehr für Marketplace-Anbieter. Transparente Lieferbedingungen sind ein Top-5-Erfolgsfaktor für Onlineshops. Laut ECC-Studie wünschen sich 50% der Einkäufer die Auswahl des Logistik-Dienstleisters. Gerade dieses Thema – inklusive Russisch-Roulette der Anbieter DHL, Hermes, DPD – kann Amazon-Kunden verzweifeln lassen, denn wer das Päckchen bringt, das erfährt man erst bei der Versandbestätigung.

Die Lieferadresse nachträglich anzupassen bieten die meisten Dienstleister zwar an, diese Option – ebenso, wie der Tracking-Link – wird aber nicht von allen Marketplace-Anbietern und Amazon selbst an den Kunden weitergeleitet. Mich zumindest hat diese unnötige Intransparenz erst letzte Woche wieder dazu gebracht direkt beim Hersteller zu kaufen. Wenige Euro mehr für ein Kauferlebnis, das wirklich convenient war.

Wann scheitert Amazon?

Wie eingangs erwähnt, Amazon ist nicht perfekt. Doch weder Fälschungen, mittelmäßige Produktdaten, noch die intransparente Wahl des Logistik-Dienstleisters werden den Giganten in naher Zukunft stürzen.

Handelskraft E-Commerce-Frühstück Berlin am 30. SeptemberSo lange der Kunde im Normalfall hochwertigen Service erhält, wird er zurückkommen und Amazon gewinnt Zeit seine Hausaufgaben im Hintergrund zu erledigen und die Macht der Plattform weiter auszubauen.

Doch die Chance für Händler liegt im Detail. Produktdatenqualität, Sortiment mit Originalware, Usability und Lieferkomfort bieten genügend Potential um loyale Kunden zu gewinnen. Auch im Hybrid-Modell aus eigenem Shop und Marktplatz.

Weitere Ideen zum Überleben mit Amazon präsentiert Adrian Hotz während unseres nächsten Handelskraft E-Commerce Frühstück am 30.09. in Berlin. Händler und Hersteller können sich dafür jetzt kostenlos registrieren.

Bessere Rankings mit Amazon

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Eine Reaktion zu “Produktfälschungen und Intransparenz bei Amazon – Scheitert der Marketplace?”

  1. E-Commerce Rückblick in KW 30/2016

    Am 8. September 2016 um 11:58 Uhr

    […] den Verkauf ab 2017 in den USA. Die Amazon-Plattform in Europa ist nicht betroffen. Doch laut handelskraft.de werden weder Fälschungen, noch mittelmäßige Produktdaten oder die intransparente Wahl des […]

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