Barrierefreiheit im E-Commerce – Design für alle

Verfasst am 7. März 2018 von .
Barrierefreiheit im E-Commerce

Quelle: Pixabay

Während im stationären Handel bereits vieles getan wird, um älteren und gesundheitlich eingeschränkten Menschen den Einkauf zu erleichtern, sieht das im Onlinehandel derzeit noch anders aus. Eine schlechte Navigation, ungünstig gewählte Schriftarten und fehlende Kontraste erschweren das Onlineshopping sogar noch.

Die Europäische Union hat dieses Problem bereits erkannt und eine entsprechende Richtlinie erstellt. Das bedeutet, dass man sich als Onlinehändler früher oder später zwangsläufig mit dem Thema Barrierefreiheit auseinandersetzen muss.

Abgesehen jedoch von Richtlinien und Gesetzen bietet ein barrierefreier Onlineshop auch das Potenzial, neue Käufergruppen zu erschließen und den zunehmend steigenden Anforderungen der Suchmaschinen gerecht zu werden.

Barrierefreiheit und UX-Design gehen Hand in Hand

Ein barrierefreier Webauftritt bedeutet, dass auch gesundheitlich eingeschränkte Menschen in der Lage sind, den Onlineshop ohne besondere Erschwernisse und bestenfalls ohne fremde Hilfe nutzen zu können.

Die Accessibility-Anforderungen der WCAG (Richtlinien für barrierefreie Webinhalte) sind ein guter Anhaltspunkt für die Umsetzung der Barrierefreiheit. Man sollte diese stets im Sinn haben und seine Coding-Standards und das User-Experience-Design entsprechend ausrichten.

Das klingt zuerst nach einem Haufen Arbeit, entsprechende Anpassungen im User-Experience-Design helfen jedoch nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch allen anderen Nutzern: Denn Barrierefreiheit und (mobiles) Webdesign gehen oft Hand in Hand und verstärken sich gegenseitig. Eine gute barrierefreie Seite ist auch stark auf Benutzerfreundlichkeit optimiert.

Worauf kommt es beim barrierefreien Design an?

Unten zeigen wir nur einige Beispiele dafür, worauf man bei einem barrierefreien Design achten sollte. Sie zeigen, dass Barrierefreiheit und gutes UX-Design viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Ein großer Vorteil: Fokussiert man sich bei der Gestaltung seines Onlineshops auf Menschen mit Behinderung, schärft man gleichzeitig den Blick für die grundlegenden Qualitäten einer Webseite.

  • Schriftart und -größe richtig wählen: Stark verschnörkelte Schriftarten sind tabu. Stattdessen sollte man auf leicht lesbare Schriftarten setzen und diese ausreichend groß darstellen. Außerdem wichtig ist ein angemessener Zeilenabstand sowie Abstand zwischen den Buchstaben. Auch ist es wichtig, auf den Kontrast zwischen Schriftfarbe und Hintergrund zu achten.
  • Leichte Sprache: Besonders bei Menüpunkten und Artikelbeschreibungen sollte auf eine einfache Sprache gesetzt werden. Blumige Umschreibungen oder eine zu förmliche Ausdrucksweise versteht ein Mensch ohne Behinderung oft genauso wenig wie ein Mensch mit einem Hörschaden.
  • Klar verständliche Menüstruktur: Menüpunkte sollten verständlich und möglichst kurz betitelt werden. Die Menüstruktur sollte übersichtlich sein, sodass der Nutzer jederzeit genau weiß, wo er sich gerade befindet.
  • Bilder „sichtbar“ machen: Bilder lockern eine Seite auf und gestalten sie attraktiver. Jedoch können weder Blinde noch Google diese Bilder erkennen. Um sie trotzdem „sichtbar“ zu machen sollte das Alt-Attribut sinnvoll genutzt werden und alle wesentlichen Informationen zum Bild enthalten. Auch eine zusätzliche Bildunterschrift kann zum besseren Verständnis beitragen.
  • Icons einsetzen: Icons sind eine gute Möglichkeit, Benutzern zu helfen sich einfacher durch eine Webseite zu navigieren. Besonders Menschen mit Leseschwäche wird die Navigation so stark erleichtert.
  • Buttons – klar und verständlich: Buttons und andere „Call-to-Actions“ sollten zum einen groß genug sein, um sie auch mobil problemlos anzuklicken. Zum anderen sollte dem Nutzer klar sein, was bei Klick passiert – auch hier sollte also wieder auf einfache Sprache gesetzt werden.

Voice als Aspekt im barrierefreien Design

Digitale Sprachassistenten haben in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt. In Form von Lautsprechern wie Amazon Echo, Apple HomePod oder Google Home haben die digitalen Assistenten bereits Einzug in viele Wohnzimmer gehalten – Tendenz steigend. Sprachassistenten bahnen sich immer mehr den Weg vom witzigen Spielzeug hin zum neuen Interface im Handel.

Auch für Menschen mit visueller und motorischer Beeinträchtigung bieten Voice Interfaces eine völlig neue und einfach bedienbare Benutzerschnittstelle. Noch ein Grund mehr also, sich mit dem Trend Voice Commerce auseinanderzusetzen. Bei einigen Onlineshops funktioniert das schon ganz gut, über den Lieferando Skill kann man problemlos Pizza bestellen, bei Allyouneed Fresh lassen sich einfach Lebensmittel bestellen und mit mytaxi ein Taxi rufen. Gerade beim Einkauf von alltäglicher Verbrauchsware macht der Einsatz von Sprachassistenten durchaus Sinn.

Aber neben dem Verkauf von Produkten über smarte Lautsprechen, bietet sich auch Potenzial für Marketing und Services. Zum Beispiel können Content-Marketing-Aktivitäten mithilfe der Sprachassistenten einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Und auch zusätzliche Services wie die Kontaktaufnahme mit dem Kundendienst oder die Bereitstellung von Pflegehinweisen oder Gebrauchsanleitungen lassen sich schon gut über Sprachassistenten abbilden.

Vor dem Hintergrund der Barrierefreiheit lohnt es sich also durchaus sich mit dem Thema Sprachassistenten auseinanderzusetzen, um seine Produkte und Inhalte eingeschränkten Nutzern noch einfacher zur Verfügung zu stellen.

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Eine Reaktion zu “Barrierefreiheit im E-Commerce – Design für alle”

  1. Markus Lemcke

    Am 3. April 2018 um 21:53 Uhr

    Hallo,

    ich suche eine Webseite von der EU auf der steht, dass die EU möchte, dass Webshops barrierefrei gemacht werden sollen.
    Wissen Sie wo so was steht?

    Barrierefreie Grüße

    Markus Lemcke

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