Composable Commerce im Tech-Telmechtel: Individuelle Systemarchitekturen für spezifische Herausforderungen [Interview]

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Systemarchitekt Dirk im Interview mit Handelskraft

Composable Commerce gehört die Zukunft. Spätestens nach dem diesjährigem Gartner Report steht das außer Frage. Die Auswahl verschiedener Systeme und die Integration einer Composable Commerce Plattform scheint für Unternehmen zunächst sehr komplex. Allerdings birgt der Ansatz zahlreiche Vorteile, um in der sich rasant wandelnden digitalen Welt Schritt zu halten. Technologien aus dem letzten Jahr sind heute bereits veraltet und neue Ansätze bieten erstaunliches Wettbewerbspotenzial.  

Wir haben Systemarchitekten und Composable Commerce Experten Dirk Kretschmann gefragt, was hinter Buzzwords wie MACH steckt, welche Chancen der Ansatz bietet und wie ein solches Integrationsprojekt aussehen kann. 

Hier der Überblick:

    1. Individualisierung ist der Schlüssel zu besserem Service
    2. Trend mit Zukunft statt Buzzword Bingo
    3. Individuelle Projekte aus einer Hand
    4. Trends, die die Zukunft bestimmen

Composable Commerce: Individualisierung ist der Schlüssel zu besserem Service

Dirk, stell dich doch bitte mal kurz vor. Wer bist du und was machst du bei dotSource?

Ich bin Dirk Kretschmann, arbeite bei der dotSource am Standort Berlin und bin Softwareentwickler, -architekt und Techlead für Projekte mit serviceorientierten Architekturen insbesondere im commercetools Umfeld.  

Wie kann man sich solche serviceorientierte Architekturen vorstellen?

Zu uns kommen vor allem Kundinnen und Kunden mit individuellen Anforderungen. Diese haben Herausforderungen, die sich schwer mit einem Standard abbilden lassen. Die Idee ist also nicht eine zusammenhängende Plattform zu bauen oder zu kaufen, die alles ein bisschen kann.  

Stattdessen entscheiden wir von Case zu Case, welche Lösungen am besten passen. Auf Commerce-Ebene bieten sich dafür verschiedene Möglichkeiten, die Systemlandschaft individuell zusammenzustellen. Das nennt man dann Best of Breed oder Composable Commerce je nach Perspektive. 

Welche Vorteile bieten sich für Unternehmen, die sich von Komplettlösungen lösen und für Services verschiedener Anbieter entscheiden?

In erster Linie sind die Unternehmen weniger abhängig und die einzelnen Systeme können, ausgetauscht werden, wenn diese nicht die gewünschten Anforderungen erfüllen. Ein anderer Vorteil ist die Skalierbarkeit.  

Ein Unternehmen kann die einzelnen Komponenten so aufbauen, dass sie skalierbar sind und gewisse Lastspitzen abdecken können. Bei verschiedenen kleineren Anwendungen lässt sich direkt identifizieren, in welchem System sich ein Bottelneck befindet. Bei einer großen monolithischen Anwendung ist das schwierig. 

Durch die klarere Trennung von Komponenten ist es außerdem einfacher möglich, die Entwicklung neuer Features sowie die Wartung der Systeme zu parallelisieren. Dem Unternehmen fällt es somit leichter, einzelne Fachbereiche für beispielsweise PIM und ERP zu bestimmen und klare Zuständigkeiten festzulegen. Das verhindert, dass Units zur gleichen Zeit im selben System arbeiten müssen und sich somit gegebenenfalls sogar behindern.  

Durch den Einsatz kleinerer Komponenten können Unternehmen darüber hinaus, ihren Shopusern schneller neue Features präsentieren und agiler auf den Markt reagieren.  

Composable Commerce: Trend mit Zukunft statt Buzzword Bingo

Composable Commerce ermöglicht Unternehmen also, ihre Systemarchitektur entsprechend ihrer Bedürfnisse aufzubauen. Wie unterscheidet sich dieses Konzept zum »Best of Breed« Ansatz?

Letztendlich verfolgen beide Ansätze ein ähnliches Ziel. Unternehmen nutzen diese Prinzipien, um die am besten für ihre Anforderungen passenden Systeme auszuwählen. 

Für mich gibt es da dennoch Unterschiede. Der Name Composable Commerce deutet bereits darauf hin, dass der Fokus auf der Integration und der Vernetzung von Systemen liegt. Bei Best of Breed hingegen steht das nicht im Vordergrund.  

Da geht es mehr darum, auszuwählen, was das Beste für das jeweilige System ist. Außerdem liegt der Fokus bei Composable Commerce eben auf E-Commerce. Best of Breed bezieht sich allgemein auf die Geschäftsarchitektur. Da können also auch Komponenten mit reinspielen, die an erster Stelle nichts mit Commerce zu tun haben.  

MACH ist eine Abkürzung, die häufig im Zusammenhang mit Composable Commerce genannt wird. Was hat es damit auf sich?

M-Microservices, A – API-first, C – Cloud-native SaaS und H-Headless sind Prinzipien, die sich optimal mit dem Composable Commerce oder Best of Breed Ansatz vereinen lassen. Microservices bilden insbesondere Synergien in SaaS Portfolios durch ihre ausgeprägten Skalierungs-Optionen.  

Sie bilden Businesslogiken ab, die Standardsysteme nicht können. Angefangen mit zwei kleinen Services, die eine Sache sehr gut machen, können wenn nötig – beispielsweise im Weihnachtsgeschäft – zehn draus werden.  

API- first und Headless helfen bei der Parallelisierbarkeit von Prozessen und der sinnvollen Aufteilung von Komponenten. APIs machen es möglich, die einzelnen Komponenten zu verbinden und kann somit durch das Schnittstellendenken neue Prozesse schnell hinzufügen.  

Auch wenn ein Unternehmen mit verschiedenen Systemen arbeitet, müssen diese ganzheitlich verwaltet werden. Cloud-native ermöglicht einen schnellen und sicheren Zugang zu der Infrastruktur der verschiedenen Systeme.  

Und was hat es mit der MACH Alliance auf sich?

Das ist ein Partnernetzwerk von Systemintegratoren, -anbietern und »Ambassadors« die mit den MACH Prinzipien Software entwickeln und das E-Commerce Feld vorantreiben wollen. Als »Ambassadors«  beschreiben sich die Expertinnen und Experten, die die Einführung des MACH-Standards vorantreiben und ihr Wissen mit der Community teilen, selbst. 

Alle diese Partner profitieren von der Zusammenarbeit sei es durch neue Kundenprojekte, Know-how oder andere Netzwerksynergien. Um Teil des Verbundes zu sein, braucht es natürlich im eigenen Unternehmen Expertinnen und Experten, die sich in dem Bereich auskennen und bereits Projekte auf dem Gebiet umgesetzt haben.  

Composable Commerce: Individuelle Projekte aus einer Hand

Wie kann die Zusammenarbeit zwischen einem Softwareanbieter, dotSource als Digitalagentur und den Kundinnen und Kunden bei einem solchen Projekt aussehen?

Der Softwareanbieter stellt sein jeweiliges Shopsystem als Produkt bereit. Dabei ist commercetools ein Shopsystem, das die Idee pusht und vorangetrieben hat aber auch andere Anbieter wie contentful und magonlia, passen ihre Produkte dem MACH-Trend inzwischen an.  

Ein Integrator wie wir das sind, unterstützt Unternehmen dann bei der Umsetzung. Wir beraten die Kundinnen und Kunden welche Systeme gut zu ihnen und ihren Anforderungen passen und wie die Systemauswahl geplant werden kann. Wenn diese Entscheidung getroffen ist, begleiten wir auch die gemeinsame Integration und verbinden die einzelnen Systeme.  

Dabei profitieren wir von unserer langjährigen Projekterfahrung und haben in dem Zusammenhang bereits Best Practices erarbeitet. Allerdings befassen wir uns auch kontinuierlich mit dieser sich ändernder Systemlandschaft und nutzen die Möglichkeit, Technologien zu wechseln und neue Dinge auszuprobieren.  

Welche Voraussetzungen brauchen Unternehmen, um ein Composable Commerce Projekt umsetzen zu können?

Es gibt keine harten Voraussetzungen. Natürlich ist es leichter, wenn in einem Unternehmen eine digitale Transformation geplant ist oder ein Großteil der Geschäftsprozesse bereits digital gedacht werden.  

Wir bauen eine Integration, die es ermöglicht, schnell auf neue Themen zu reagieren und die sich fortlaufend weiterentwickelt. Wir wollen nicht eine Plattform ständig neu aufbauen, sondern, eine Lösung mit viel Flexibilität für die Zukunft entwickeln. Deswegen ist der Wille sich fortlaufend an ein sich änderndes Marktumfeld anzupassen, enorm wichtig.  

Denn der stetige Wandel betrifft nicht nur die E-Commerce-Landschaft selbst sondern verschiedenste Bereiche. Was letztes Jahr noch modern war, ist dieses Jahr nicht mehr aktuell und auch im nächsten Jahr werden wir wieder neue Technologien haben und mit anderen Ideen konfrontiert sein.  

Vielen Dank Dirk, dass du uns die Welt des Composable Commerce näher gebracht hast.

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