E-Commerce in Afrika: Wie DHL vom Logistik- zum E-Commerce-Player wird [5 Lesetipps]

Internationalisierung, Afrika, Logistik
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Der Einkauf eines Produktes jederzeit und an jedem Ort ist heute in vielen Ländern Realität. Dafür sorgen steter technologischer Fortschritt sowie die Verbesserung der Infrastrukturen. 71 Prozent der europäischen Online-Einkäufer shoppen mittlerweile grenzüberschreitend. Doch es gibt nach wie vor Regionen, in denen Cross-Border-E-Commerce eine enorme Herausforderung darstellt.

Afrika ist ein gutes Beispiel dafür. Obwohl die Region noch mit vielen Hindernissen kämpft, birgt sie ein großes Potential für den Onlinehandel. Getreu dem Motto: »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst« hat DHL dieses Potential erkannt und und sich diesem Nischenmarkt frühzeitig angenommen.

E-Commerce in Afrika ist auf dem Vormarsch

Trotz eines mangelhaften und ineffizienten Logistiksystems, geringer Internetdurchdringung und einer hohen Armutsrate nimmt die Einführung von Smartphones in Afrika weiterhin rasant zu. Laut einer Studie von GSMA lag die Gesamtzahl der Smartphone-Anschlüsse Ende 2017 bei 250 Millionen, was einem Drittel der gesamten Verbindungsbasis entspricht. Die Akzeptanzquote wird sich bis 2025 verdoppeln, was dazu führen wird , die Lücke zu den entwickelten Ländern über kurz oder lang zu schließen.

Nur wenige Verbraucher besitzen Desktop- oder Laptop-Computer. Afrika ist damit in erster Linie ein mobiler E-Commerce-Markt. Mobile Geräte haben in Kombination mit mobilen Zahlungssystemen neue Einkaufsmöglichkeiten an schwer zugänglichen Orten und/oder ohne physische Geschäfte eröffnet.

E-Commerce in Afrika steht vor vielen Herausforderungen

Einer der wichtigsten Faktoren für den erfolgreichen Einstieg in internationale Märkte ist es, die beliebteste Zahlungsmethode zu kennen und diese entsprechend zur Verfügung zu stellen. Diese Wünsche sind oft – auch in Europa – sehr schwierig zu erfüllen, da Nutzer unterschiedlichster Herkunft auch diverse Vorlieben haben.

Ein großer Teil der afrikanischen Bevölkerung hat keine klassische Bankverbindung und Nachnahme ist noch die dominierende Zahlungsmethode. Fast 280 Millionen Afrikaner nutzen jedoch Mobile Wallets. Das ist dreimal so viel wie die Zahl der Afrikaner mit Bankkonten. Mobile Payment stellt daher eine enorme Wachstumschance für den Kontinent dar.

Das Thema Logistik ist aber ohne Zweifel die größte Baustelle.

In der Mehrheit der afrikanischen Länder gibt es keine nationale Straßenanschrift. Der Zusteller und der Kunde müssen oft am Tag der Lieferung per Handy in ständigem Kontakt bleiben. Zudem mangelt es an befestigten Straßen. Diese beiden Umstände machen die letzte Meile extrem teuer und hält globale Logistikunternehmen von den meisten Ländern fern. Stattdessen liefern Fahrräder oder Motorräder die meisten Waren in Afrika aus.

E-Commerce in Afrika: DHL startet eine E-Commerce-App

Unter der Prämisse, dass DHL bereits über ein etabliertes Logistiknetzwerk in Afrika verfügt, hat der Logistikkonzern vor Kurzem eine E-Commerce-App namens DHL Africa eShop in elf afrikanischen Märkten gelauncht: Südafrika, Nigeria, Kenia, Mauritius, Ghana, Senegal, Ruanda, Malawi, Botswana, Sierra Leone und Uganda.

Produkte von mehr als 200 Händlern aus den USA und Großbritannien sollen über die Plattform verkauft werden.

DHL Africa eShop wird über die E-Commerce Plattform Link Commerce, ein Bestandteil des Start-ups MallforAfrica.com, betrieben. MallforAfrica.com CEO Chris Folayan sagte dazu:

» That’s what our service does. It takes care of that whole ecosystem to enable global e-commerce to exist, no matter what country you’re in. «

Diese Zusammenarbeit ermöglicht es DHL, Zugang zur lokalen Infrastruktur und damit zu Payments, Procurement und Lieferung zu erhalten – wesentliche Themen für einen gelungenen internationalen Handel. In diesen Zusammenhang bietet die App beispielsweise lokale Fintech-Optionen wie die nigerianische Paga und die kenianische M-Pesa.

Hennie Heymans, DHL Express CEO für Sub-Saharan Africa, beschreibt das Ziel dieser App wie folgt:

» [The App] provides convenience, speed, and access to connect African consumers with exciting brands. «

E-Commerce in Afrika: Ist Logistik das neue Retail?

Der Sprung von DHL in das E-Commerce-Territorium – jenseits der logistischen Arbeit – ist bemerkenswert. Bei einem internationalen Einstieg erwarten Händler und Hersteller große logistische Barrieren. Ein Experte wie DHL kann Unternehmen dabei unterstützen, diese zu meistern, indem die Lieferung von Produkten erheblich erleichtert, die Kosten spürbar verringert und schließlich ausländische Unternehmen ermutigt werden, in Afrika zu verkaufen. Bei MACYS, Sephora oder Ralph Lauren ist dies im Fall von DHL Africa eShop bereits gelungen.

Außerdem könnte diese Partnerschaft DHLs Position gegenüber Konkurrent Jumia, der seine eigenen Fulfillment-Services in Afrika anbietet, verstärken und mehr Bewegung in den noch jungen, afrikanischen Onlinehandel bringen. Abgesehen davon hat bislang noch keiner der globalen E-Commerce-Riesen auf diese Region gesetzt.

Alibaba hat über die Ausweitung Afrikas gesprochen, ist aber im Moment noch nicht ganz dabei. Amazon bietet begrenzte E-Commerce-Verkäufe auf dem Kontinent an, während eBay 2017 eine Zusammenarbeit mit MallforAfrica.com realisiert hat, um Afrikanern zu ermöglichen, ihre selbstgemachten Waren über die Plattform in den USA zu verkaufen.

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