Digital Leadership heißt auch Loslassen aka: Wer nicht experimentiert, verliert

Digital Leadership
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Was alles geht, wenn es nicht anders geht, und vor allem: Wenn es schnell gehen muss, hat 2020 bewiesen. Dieses Jahr hat uns gezeigt, dass das Loslassen bestehender, liebgewonnener Strukturen, Prozesse und Tools geschäftsentscheidend sein kann, selbst wenn viele von uns dieses Abschneiden alter Zöpfe wohl als unangenehm empfinden.

Die Ursache hierfür liegt aber nicht im Trotz oder Unwillen, sondern darin, wie das menschliche Gehirn veranlagt ist. Jede Veränderung in unserer gewohnten Umwelt geht mit Hirnturbulenzen einher und kostet Energie. Das menschliche Gehirn ist aber auf Energieeffizienz bedacht. Auf Gewohntes zurückzugreifen ist wie das Beschreiten eines bereits gut ausgetretenen Pfades und wird vom neuronalen System mit einem Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit belohnt.

Die Entscheidung GEGEN bekannte Pfade und FÜR ein unbekanntes Dickicht setzt voraus, dem körpereigenen Belohnungssystem widerstehen zu können. Und halleluja, was haben wir in diesem Jahr Widerstand geleistet.

Digital Leadership: Alte Muster durchbrechen

Dabei ist nicht nur der veränderte Zustand an sich die Schwierigkeit, sondern auch der Übergang vom Alten zum Neuen. Immer dann, wenn im Transformationsprozess Unsicherheit entsteht, greift das Gehirn auf Altbekanntes zurück. Unbemerkt schleichen sich so frühere Muster wieder ein. Im Ergebnis wird dann beispielsweise eine neue Software mit völlig neuen Möglichkeiten so lange verbogen, bis sie die alten Prozesse genauso abbildet, wie es das System davor tat. Um den Moment zu erkennen, in dem die angestrebte Transformation zur beschriebenen Pseudo-Transformation wird, reicht manchmal schon der Blick einer abteilungsfremden Person.

Erfolgreiches Digital Leadership entwickelt eine nachhaltige Transformationsfähigkeit, in dem es das Ziel der Veränderung frühzeitig als identitätsstiftende Vision in den Köpfen der Mitarbeiter verankert. Dabei wirken realistische Zwischenziele dem Stress des Wandels entgegen und beugen Ängsten vor. Mindestens die Hälfte der Zeit eines Change-Prozesses sollte in Maßnahmen zur Mentalitätsentwicklung fließen.

Digital Leadership: Wilde Ideen ermutigen

Anstatt also nur schnelle Erfolge anzustreben, sollten sich Führungskräfte zunächst darauf fokussieren, die komplexen Herausforderungen, die die Veränderung mit sich bringt, zu steuern. Neben Supervision und Methoden-Trainings können auch radikale Maßnahmen wie die Abschaffung von unproduktiven Routine-Meetings oder die Abschaltung redundanter Systeme dazu führen, dass neue Strukturen endlich vollständig adaptiert werden. Wohlwollende Konsequenz wirkt manchmal Wunder.

Was Innovationsprozesse häufig bremst, sind die Ängste des Managements vor Sackgassen und teuren Leerläufen. Transformation ist jedoch immer nur begrenzt steuerbar und erfordert deshalb gerade auch vom Management den Mut, loszulassen und Dinge einfach mal auszuprobieren. Anstatt Kontrolle auszuüben, liegen die Aufgaben des Managements vor allem darin, Innovationsprozesse anzustoßen, konstruktiv zu begleiten und anschließend in die konkrete Umsetzung zu überführen.

»Wilde Ideen ermutigen« ist eine Grundregel für Brainstormings und sollte der Leitsatz eines jeden Innovationsfindungsprozesses sein. Ein unverkrampftes Miteinander, eine offene Haltung, Neugierde und Vertrauen gegenüber der eigenen Intuition sind die Eigenschaften eines echten Innovationsteams.

Kopfarbeit ist unsichtbar. Spielerische Ansätze wie Design-Thinking und LEGO Serious Play sind beliebte Methoden, um zuvor isolierte Ideen und Gedanken Einzelner für das gesamte Team sichtbar zu machen. So können neue Ideen kanalisiert und gemeinsam weiterentwickelt werden.

Digital Leadership: Challenging Partner sein

Nicht von vornherein zu wissen, wohin ein Design-Thinking-Projekt schließlich führen wird, schreckt Corporates mit eingeschliffenen Prozessen schnell ab. Um kreativen Prozessen eine gewisse Struktur und Planbarkeit zu verleihen, helfen Tools wie Innovation-Boards oder Project-Canvases. Sie treiben nicht nur den kreativen Prozess voran, sondern visualisieren auch die oftmals chaotische, nicht lineare Innovationsentwicklung und helfen dabei, ein klares Ziel zu formulieren und nächste Schritte abzuleiten.

Über solche Visualisierungs- und Innovationsmethoden kommen Manager mit ihren Mitarbeitern auf eine Ebene und können als Challenging Partner mit kritischen Fragen das Projekt voranbringen, ohne Entscheidungen vorzugeben.

Die Besten testen. Denn sie wissen: Es muss nicht immer gleich der große Wurf sein. Innovationsprojekte sollten grundsätzlich auf ein MVP (Minimum Viable Product) hinarbeiten. Um ein Projekt voranzubringen, ist es hilfreicher, kontinuierlich Feedback einzuholen und die Idee immer weiter zu verfeinern. Zu experimentieren und kontinuierlich zu testen bedeutet, kleine Einzelaspekte anzugehen, die sich bereits positiv auf die User-Experience auswirken können. Kleinschrittig und nah am Nutzer zu entwickeln verhindert, mit Großprojekten vor die Wand zu fahren.

Digital Leadership: Neue Formate testen

In 14 Tagen von analog auf remote? So lief’s bei der Handelskraft Konferenz 2020. Da war keine Zeit für ABER oder alte Zöpfe. Gut so. Denn die erste Online-Ausgabe war ein voller Erfolg. 2021 legen wir noch einen drauf und feiern mit euch Digitale Freiheit. Digitale Freiheit Handelskraft Konferenz 2021Save the Date – am 3. und 4. März findet die Handelskraft Konferenz 2021 statt.

Mit dabei sind unter anderem ESPRIT, NürnbergMesse, PERI und hagebau. Ihr könnt kostenfrei dabei sein oder unsere Konferenz mit einem Fan-Ticket unterstützen. Alle Infos findet ihr hier.

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