Social Commerce – ohne Likes erfolgreich?

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QUelle: pixabay

Instagram, YouTube, Twitter – die einen konsumieren, die anderen produzieren. Themen sind dabei keine Grenzen gesetzt: Vom Unboxing über Alltagshacks bis hin zu Social Eating ist alles erlaubt, was gefällt. Das gilt nicht mehr nur im Privaten, auch Unternehmen setzen zunehmend auf die Macht sozialer Kanäle.

Gut ist, was Aufmerksamkeit verspricht und Reichweite schafft. Social-Media-Kanäle werden zur Selbstdarstellungs- und im besten Fall zur Verkaufsplattform. Stellt sich nur die Frage: Wie?

Unternehmen müssen die neusten Trends und Entwicklungen der Social-Media-Plattformen selbst, sowie bei ihren Zielgruppen beobachten und entsprechend schnell reagieren. Die neuste Maßnahme, die die Nutzung der sozialen Medien nachhaltig verändern und Unternehmen dadurch zum Umdenken zwingen könnte, liefert derzeit Instagram.

Sind »Hidden Likes« das Ende des Influencer-Marketings?

Unternehmen haben eine soziale Verantwortung. Stellung zu beziehen, wird nicht nur von Mitarbeitern und Kunden, sondern im Falle von sozialen Medien eben auch von den Nutzern gefordert. Facebook und Co. bemühen sich bereits, diesem Anspruch gerecht zu werden, indem sie beispielsweise Hassreden schnellstmöglich von den Kanälen entfernen und ja, damit auch die eigenen Nutzerzahlen retten.

Nun geht Instagram einen Schritt weiter und will in einem Test seinen Usern den sozialen Druck nehmen, dem sich ein Großteil täglich ausgesetzt fühlt. »Likes privatisieren« nennt das Unternehmen diesen Versuch, der zunächst in Kanada läuft. Was im Hinblick auf die soziale Verantwortung gegenüber der vielen jungen Nutzer eine gute Idee ist, kann aus Sicht der Unternehmen oder gar der Influencer nach hinten losgehen.

Likes sind die Währungseinheit im Social Web. Was geschieht, wenn sie plötzlich zur Privatsache werden? Gefällt-mir-Angaben sollen für die Account-Inhaber selbst einsehbar bleiben. Die Beiträge auf den eigenen Seiten lassen sich also auch weiterhin tracken und entsprechend verwerten. Anders sieht es bei der Zusammenarbeit mit Influencern aus.

Wie können Influencer Unternehmen von einer Kooperation überzeugen, wenn ihre Reichweite nicht mehr öffentlich einsehbar ist? Woran lassen sich Instagramer und YouTuber messen, wenn der Test erfolgreich verläuft und andere Plattformen nachziehen?

Letztendlich bedeutet es für Unternehmen »back to the roots«! Denn auch über andere Kanäle, wie Radio, Fernsehen, Blog oder gar Print lassen sich die genauen Zahlen der erreichten Adressaten nicht konkret feststellen, sondern nur grob schätzen. Daher sollten sich Unternehmen nicht ausschließlich auf Distributoren verlassen, sondern über Social Media mit eigenen Inhalten glänzen und sich dabei auf die Wünsche der Follower einstellen.

Das bedeutet unter Umständen auch, die bisherige Social-Commerce-Strategie spontan über Bord zu werfen und neu auszurollen, inklusive Nutzung alternativer Kanäle und Erstellung neuer Formate.

Video-Content bleibt hip im Social Commerce

Zwar nicht neu, aber aktuell und eben enorm beliebt sind Video-Inhalte und dazu passend, die Plattformen, über die sie geteilt und konsumiert werden.

Einen steilen Aufstieg legt derzeit TikTok hin. Mit dieser Video-App, die in Asien bereits der Renner ist, können 15-sekündige Videoschnipsel erstellt, (auch über andere soziale Netzwerke) geteilt und angesehen werden – das visuelle Twitter sozusagen, kurzweilig, bequem und simpel: Die Videos laufen auf Vollbildschirm. Durch Swipen nach oben startet das nächste Video, durch Swipen nach rechts erreicht man das Profil des Video-Owners.

Ansonsten funktioniert TikTok wie eine typische Social-Media-Plattform. Die App sendet Nutzern Videoempfehlungen je nachdem, welche Schlagwörter vorher einen Like erhalten haben. Das gezielte Filtern nach Interessen und das Folgen von Video-Creators oder Themenkanälen ist weiterhin möglich.

Anfang des Jahres nutzten in Deutschland bereits 4,1 Mio. Menschen die App, die ursprünglich der Veröffentlichung von lippensynchron gesungenen Videos diente. Durchschnittlich verbrachten die Nutzer in den vergangenen Monaten 39 Minuten täglich mit dem Anschauen dieser Videoschnipsel. Zum Vergleich: Instagram verwendeten laut offiziellen Nutzerzahlen hierzulande 15 Mio. Menschen.

Die App aus Asien ist stark im Kommen und sollte Unternehmen, deren Marketing-Strategie zu einem großen Teil auf Social Commerce setzt, nicht unbekannt bleiben. Denn einen gewissen Lavalampen-Effekt hat die App auf jeden Fall. Kaum geöffnet, zack! sind 30 Minuten verpufft.

Live statt Like?

Eine weitere Möglichkeit, die sich Unternehmen seit einiger Zeit bietet, um direkt mit Fans und Followern in Kontakt zu treten, ist das Live-Streaming. Vergleichsweise ähnlich wie traditionelle Pressekonferenzen, können Unternehmen Live-Streaming beispielsweise für Produkt-Releases nutzen, um sich direkt Feedback der User einzuholen und sich als Marke nahbar zu machen. Was ist authentischer, als sich live den Fragen der Community zu stellen?

Live-Streaming ist zudem eine weitere Möglichkeit, Influencer ins Boot zu holen. Auf Plattformen wie YouTube und Twitch streamen täglich mehrere Millionen Menschen mit großer Followerzahl zu verschiedensten Themen. Für viele Zuschauer sind diese Dienste mittlerweile zum Fernseh-Ersatz geworden und aus Unternehmersicht somit reichweitenstarke Kanäle für Produktplatzierung und Markenaufbau.

Zu Beginn des Jahres sprach man bei Twitch von steigenden Nutzerzahlen. Im Jahr 2018 zählte die Plattform durchschnittlich 150 Millionen aktive Zuschauer und knapp zwei Millionen aktive Streamer pro Monat. In Stunden gemessen, lässt sich zudem die Dominanz gegenüber YouTube belegen.

Im dritten Quartal des vergangenen Jahres wurden insgesamt 2,5 Mrd. Stunden auf Twitch gestreamt. Allein im September 2018 wurden 814 Mio. Stunden Live-Inhalte über Twitch gestreut, auf YouTube dagegen »nur« auf 226 Mio. Ursprünglich als eSport-Kanal gepusht, werden mittlerweile alle Themen bedient, die die Zuschauer sehen wollen.

Social Commerce und »Digitale DNA«

Nein: TikTok und Twitch eignen sich nicht für jedes Unternehmen. Ja: Influencer-Marketing ist nicht alles. Und doch ist Social Media als Teil der Marketing-Strategie nach wie vor Thema. Was sich ändert, sind die Bedürfnisse der Nutzer. Und nicht selten geht damit auch die Top 10 der beliebtesten Social-Media-Kanäle einher.

Was heute Hype ist, kann morgen schon Schnee von gestern sein. Worauf Marken, Händler und Hersteller bei allem Hype, diesen oder jenen Trends achten sollten, ist und bleibt: Kundenfokus. Nur wer die Bedürfnisse seiner Zielgruppe kennt, weiß auch, wo er sie abholen muss. Und das heißt mitunter eben auf Instagram, TikTok oder gar Twitch.

Und dann geht es ans Eingemachte: die Nutzer mit hochwertigem Content überzeugen, ihnen Erlebnisse und echte Mehrwerte bieten.

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